Report Schweizer Tierschutz STS | Zoobericht 2019|2020

Ueberzählige Tiere

Noch vor wenigen Jahrzehnten galt die erfolgreiche Nachzucht einer Tierart als Qualitätsbeleg für deren Haltung. Dies muss aber nicht sein. Viele Tierarten vermehren sich unter einfachsten Bedingungen, solange ihre Grundbedürfnisse mehrheitlich befriedigt sind. Die Herausforderung einer modernen Tierhaltung muss sein, die Nachwuchssteuerung den verfügbaren Ressourcen anzupassen. Der Platz in den Zoos ist beschränkt. Dies führt dazu, dass in einem seriös betriebenen Zuchtprogramm nur Tiere zur Zucht empfohlen werden, deren Nachwuchs zur weiteren Erhaltung der Art in den Zoos nötig ist und dafür auch Platz zur Verfügung steht. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass viele Tiere an der Fortpflanzung gehindert werden. Durch räumliche Trennung der Geschlechter oder reversible oder irreversible Formen der Empfängnisverhütung. Für Tiere stellt es in der Regel kein Problem dar, sich nicht regelmässig fortzupflanzen, solange der Wegfall der damit verbundenen Verhaltenselemente durch andere Beschäftigungsmassnahmen kompensiert werden kann. Auch in der Natur gibt es kein «Recht auf Fortpflanzung».

Bei Tierarten, deren Population nicht gemanagt wird, liegt die Verantwortung über das Fortpflanzungsgeschehen beim jeweiligen Zoo selbst. Oberstes Kredo muss auch hier sein, dass nur soviele Nachzuchten zugelassen werden, wie auch tatsächlich gute Abgabeplätze zur Verfügung stehen. Es gilt also, nicht auf Vorrat und um der Besucherzahlen Willen niedliche Jungtiere zu produzieren, sondern die Nachzucht einem realistischen, verantwortungsvollen Regime zu unterstellen. Jungtiere einzuschläfern, nachdem sie ihre Aufgabe als Besucherattraktion erfüllt haben, ist selbstverständlich strikte abzulehnen. Die Verwendung einiger überzähliger Tiere als Nahrung für Fleischfresser im Zoo ist tolerierbar, solange erstere möglichst gut gehalten und fachgerecht getötet werden. Im Sinne der Transparenz soll dies auch an die Besuchenden kommuniziert werden.