STS-Report | Zirkus von vorgestern

STS-Zirkusbericht 2016

Was jedem Zoo eine Anzeige wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz einbrächte, ist in der Schweiz den Zirkussen erlaubt. Gehege von Tieren, die in einer Manege beschäftigt werden, dürfen die gesetzlichen Mindestflächen um mehr als 30% unterschreiten. Den fünf Löwen des Circus GO - denen die Tierschutzverordnung bescheidene 140 m² Auslauf zugesteht - darf der Zirkus an einzelnen Standorten auch nur 52 m² zur Verfügung stellen. Zirkusse können Grosskatzen also «tierschutzkonform» halten, ohne eine artgerechte Haltung zu gewährleisten. Damit steht die Schweiz heute ziemlich alleine da: 19 Länder Europas regeln bereits per Gesetz, welche Tierarten von Zirkussen überhaupt noch mitgeführt werden dürfen.

Nicht tiergerecht
Eine einigermassen «artgerechte» Haltung von fünf Löwen - wie sie der Circus GO mit sich führt - heisst aus Tierschutzsicht: Ein Gehege mit mindestens 1'500 m² Fläche, mit erhöhtem Terrain, Liegefelsen und Beschäftigung durch Futtersuche. Bei verschiedenen Besuchen vor Ort fand der Schweizer Tierschutz STS bei Gasser-Olympia Tiere vor, die stundenlang auf einer Fläche von nur 8m² eingesperrt waren. Der Auslauf konnte nicht permanent genutzt werden und die gesetzlich vorgeschriebene Futterbeschäftigung gab es nicht.

Täglicher Spiessrutenlauf
Während der Auftritte im Zirkuszelt sitzen die Löwen bei Circus GO und Circus Royal die meiste Zeit auf Podesten, absolvieren einige Sprünge oder rollen sich am Boden. Es ist offensichtlich, dass von den präsentierten Tieren jeweils nur ein, zwei Individuen die Nähe des Dompteurs wirklich tolerieren - die übrigen Löwen sind Kulisse. Für sie dürften die Auftritte in der Manege keine bereichernde Beschäftigung sondern bestenfalls schale Routine sein - schlimmstenfalls ein täglicher Spiessrutenlauf vor Publikum.

Löwen gehören nicht in den Zirkus
Der STS ist dezidiert der Meinung, dass die derzeitigen gesetzlichen Grundlagen in der Schweiz nicht genügen, um eine tiergerechte Haltung zu gewährleisten und dass gewisse Tierarten für das Mitführen und die Präsentation in einem Zirkus nicht mehr in Frage kommen dürften.