Schweizer Tierschutz STS | Viehausstellungen

STS-Forderungen zu Viehausstellungen

Der Schweizer Tierschutz STS lehnt Viehausstellungen nicht ab. Im Gegenteil, er begrüsst diese Veranstaltungen, die - korrekt durchgeführt - das Tierwohl nicht beeinträchtigen, ein wichtiges Schaufenster der einheimischen Tierzucht und Treffpunkt der Züchter sind und dem Austausch zwischen der Landwirtschaft und der übrigen Bevölkerung dienen.

Trotz konkreter Vorschriften in der Tierschutzgesetzgebung und des Reglements der Rinderzüchter traf der STS seit 2016 bei Besuchen nationaler und internationaler Viehausstellungen höchst problematische Praktiken an, die aus Tierschutzsicht nicht akzeptabel sind. Die Tiere litten teilweise unter übervollen Eutern und übertriebenen Stylingprozeduren. Es ist nicht auszuschliessen, dass ihnen Beruhigungs- und Schmerzmittel sowie Hormone (Oxytocin) verabreicht wurden. Der STS verurteilt diese Machenschaften, da sie
- bei den betroffenen Tieren zu Schmerzen und Leiden führen,
- die Chancengleichheit zwischen den Ausstellern aushebeln und Züchter, die auf das
       Tierwohl achten, benachteiligen,
- potentielle Käufer über das tatsächliche Leistungspotential dieser Kühe täuschen,
- staatliche Subvention zur Förderung der Viehzucht zweckentfremden,
- das Image der Schweizer Landwirtschaft schädigen.

Der STS fordert deshalb von Viehzüchtern, Zuchtverbänden, Ausstellern, Richtern und Behörden:

[ 1 ] Generelles Verbot der Zitzenversiegelung oder sich ähnlich auswirkender Methoden bei laktierenden Tieren auf Ausstellungen.

[ 2 ] Festlegung eines Melkintervalls von maximal 12 Stunden.

[ 3 ] Verbot von Luft-, anderen Gas- und Flüssigkeitseingaben ins Euter.

[ 4 ] Verbot der systemischen, lokalen und intramammären Anwendung pharmakologisch wirksamer Substanzen ausserhalb medizinischer Indikationen wie z.B. Beruhigungs- und Schmerzmittel, Oxytocin, Kortison, durchblutungsfördende Salben etc..

[ 5 ] Verbot von Massnahmen, die den Wasserhaushalt des Tieres massiv beeinflussen wie Drenchen vor der Vorführung ohne medizinische Indikation, Verhinderung der Wasseraufnahme in Verbindung mit exzessiven Wassergaben kurz vor dem Wettbewerb, Einsatz von wasserentziehenden Medikamenten.

[ 6 ] Verbot der Anwendung reizender oder sonstiger irritierender Substanzen und chemischer Zusätze wie z.B. Haarlacke, Farbsprays, eukalyptus-/kampferhaltige Emulsionen, Bleichmittel etc..

[ 7 ] Verbot eines über das reguläre Scheren und normale Aussehen der Tiere hinausgehendes Zurechtmachen, z.B. Abrasieren der Tasthaare, Anbringen von zusätzlichen Haaren und Schwanzquasten, Feinrasur des Euters.

[ 8 ] Das Styling der Tiere muss öffentlich zugänglich sein.

[ 9 ] Die Einhaltung der Bestimmungen muss von unabhängigen Instanzen und den für den Vollzug zuständigen Behörden kontrolliert werden. Kontrollen auf überladene Euter (visuell und manuell, sowie mit Euterultraschalluntersuchungen) und auf unerlaubte Hilfsstoffe («Dopingproben») sind mittels Stichproben, zudem immer im Verdachtsfall sowie bei den Siegerkühen durchzuführen.

[ 10 ] Viehausstellungen, welche die beschriebenen Praktiken dulden, werden nicht mehr mit Steuergeldern subventioniert.

Basel, im Januar 2019
Dr. Stefan Flückiger und Dr. med. vet. MLaw Julika Fitzi-Rathgen