Tierversuchsstatistik 2010. Stellungnahme.
Stellungnahme des Schweizer Tierschutz STS zur > Tierversuchstatistik 2010 des Bundesamtes für Veterinärwesen BVET vom 5. Juli 2011
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Erneut Zunahme der Tierzahlen
Seit 1997 nimmt die Anzahl verbrauchter Tiere in Tierversuchen stetig zu – im letzten Jahrzehnt um knapp 35 Prozent auf derzeit über 760`000 Tiere. Seither wurden in der Schweiz mehr als 9 Millionen Tiere in Tierversuchen verbraucht, knapp ein Fünftel davon in stark belastenden Experimenten, bei denen die Tiere auch mit schweren Schmerzen, andauerndem Leiden, schwerer und andauernder Angst oder erheblicher und andauernder Beeinträchtigung ihres Wohlbefindens belastet werden. Es wurden 2010 mehr Ratten, Hamster, Kaninchen und Katzen verbraucht, sowie insgesamt ca. 125.000 Geflügel – 60.000 mehr als im Jahr davor.
Ein Anstieg (+ 4 %) ist wiederum in der Grundlagenforschung zu verzeichnen, die vor allem an Universitäten und Hochschulen stattfand und ebenfalls anstieg mit 7 % mehr Tierverbrauch. Die Tierzahlen in der industriellen Forschung sind demgegenüber um 8% zurückgegangen. In der Grundlagenforschung wird oftmals ohne bestimmten Zwang und Zweck geforscht – auf konkreten Erkenntnisgewinn wartet man vielfach vergebens – damit unterscheidet sie sich klar von der angewandten Forschung. Über 3500 Tierversuche wurden von den kantonalen Tierversuchskommissionen zur Genehmigung empfohlen – 7 % mehr als im Vorjahr. Nur 12 Gesuche wurden abgelehnt.
Zwar sind die schwerbelastenden Tierversuche (SG3) insgesamt zurückgegangen, aber dennoch ist erstaunlich, dass Tierversuche im höchsten Belastungsgrad immer noch alltäglich sind (darunter fallen tödlich verlaufende Infektionskrankheiten und Krebsleiden ohne vorzeitige Euthanasie oder chirurgische Eingriffe mit starken postoperativen Schmerzen, schwere Leiden, Schäden oder Störungen z.B. nach Gelenktransplantationen, Organtransplantationen, Eröffnen der Brusthöhle, Darmresektionen, Erzeugen von Magenfisteln, Implantieren von Elektroden oder Langzeitkathetern ins Gehirn, Bestrahlungen und Verbrennungen, Chemotherapien, u.a.m.). Auch die toxikologischen Tests sind schwerbelastend (ca. 55.000 Tiere): Die Tiere sterben meist unter unvorstellbar grausamen Bedingungen wie starken Schmerzen, Krämpfen, unstillbaren Blutungen, massivster Atemnot, schwerem Durchfall und Erbrechen, sowie Angstzuständen und Panikattacken. Der Tod erlöst die Tiere schliesslich von ihren Qualen.

Erstmals seit mehr als 13 Jahren wurden im Jahr 2010 auch wieder Tierversuche für Kosmetika bewilligt.
Obwohl in den benachbarten EU-Ländern die schrittweise Abschaffung von Tierversuchen für Kosmetika und Kosmetikrohstoffe mit der EU-Kosmetikrichtlinie eingeläutet wurde und auch ein Verkaufsverbot von Kosmetikprodukten bzw. -Rohstoffen, die an Tieren gestestet wurden in einigen Jahren greifen soll, wurden 2010 in der Schweiz, entgegen aller Versprechungen, tatsächlich Tiere für Kosmetika (UV-Filter für Sonnenschutz-Mittel im Kanton Nidwalden) in Tierversuchen verbraucht. Das ist – trotz aller Bemühungen im experimentellen Tierversuchsbereich stark belastende Tierversuche zu reduzieren, ein absoluter - und international betrachtet - auch ein verhängnisvoller Rückschritt.

> Ein Blick in die Praxis der EU zu Tierversuchen für Kosmetika