Erneut Zunahme der Tierzahlen
Seit 1997 nimmt die Anzahl verbrauchter Tiere in Tierversuchen stetig zu im letzten
Jahrzehnt um knapp 35 Prozent auf derzeit über 760`000 Tiere. Seither wurden in der
Schweiz mehr als 9 Millionen Tiere in Tierversuchen verbraucht, knapp ein Fünftel davon
in stark belastenden Experimenten, bei denen die Tiere auch mit schweren Schmerzen,
andauerndem Leiden, schwerer und andauernder Angst oder erheblicher und andauernder
Beeinträchtigung ihres Wohlbefindens belastet werden. Es wurden 2010 mehr Ratten,
Hamster, Kaninchen und Katzen verbraucht, sowie insgesamt ca. 125.000 Geflügel
60.000 mehr als im Jahr davor.
Ein Anstieg (+ 4 %) ist wiederum in der Grundlagenforschung zu verzeichnen, die vor allem
an Universitäten und Hochschulen stattfand und ebenfalls anstieg mit 7 % mehr
Tierverbrauch. Die Tierzahlen in der industriellen Forschung sind demgegenüber um 8%
zurückgegangen. In der Grundlagenforschung wird oftmals ohne bestimmten Zwang und Zweck
geforscht auf konkreten Erkenntnisgewinn wartet man vielfach vergebens damit
unterscheidet sie sich klar von der angewandten Forschung. Über 3500 Tierversuche wurden
von den kantonalen Tierversuchskommissionen zur Genehmigung empfohlen 7 % mehr als
im Vorjahr. Nur 12 Gesuche wurden abgelehnt.
Zwar sind die schwerbelastenden Tierversuche (SG3) insgesamt zurückgegangen, aber dennoch
ist erstaunlich, dass Tierversuche im höchsten Belastungsgrad immer noch alltäglich sind
(darunter fallen tödlich verlaufende Infektionskrankheiten und Krebsleiden ohne
vorzeitige Euthanasie oder chirurgische Eingriffe mit starken postoperativen Schmerzen,
schwere Leiden, Schäden oder Störungen z.B. nach Gelenktransplantationen,
Organtransplantationen, Eröffnen der Brusthöhle, Darmresektionen, Erzeugen von
Magenfisteln, Implantieren von Elektroden oder Langzeitkathetern ins Gehirn, Bestrahlungen
und Verbrennungen, Chemotherapien, u.a.m.). Auch die toxikologischen Tests sind
schwerbelastend (ca. 55.000 Tiere): Die Tiere sterben meist unter unvorstellbar grausamen
Bedingungen wie starken Schmerzen, Krämpfen, unstillbaren Blutungen, massivster Atemnot,
schwerem Durchfall und Erbrechen, sowie Angstzuständen und Panikattacken. Der Tod erlöst
die Tiere schliesslich von ihren Qualen.
Erstmals seit mehr als 13 Jahren wurden im Jahr 2010 auch wieder Tierversuche für
Kosmetika bewilligt.
Obwohl in den benachbarten EU-Ländern die schrittweise Abschaffung von Tierversuchen für
Kosmetika und Kosmetikrohstoffe mit der EU-Kosmetikrichtlinie eingeläutet wurde und auch
ein Verkaufsverbot von Kosmetikprodukten bzw. -Rohstoffen, die an Tieren gestestet wurden
in einigen Jahren greifen soll, wurden 2010 in der Schweiz, entgegen aller Versprechungen,
tatsächlich Tiere für Kosmetika (UV-Filter für Sonnenschutz-Mittel im Kanton Nidwalden)
in Tierversuchen verbraucht. Das ist trotz aller Bemühungen im experimentellen
Tierversuchsbereich stark belastende Tierversuche zu reduzieren, ein absoluter - und
international betrachtet - auch ein verhängnisvoller Rückschritt. |