STS-Recherche «Viehausstellungen 2016»

Europameisterschaft Holstein und Red Holstein, Colmar (Frankreich)

[ Besucht am 17. und 18. Juni 2016 ]

Die Europameisterschaft in Colmar war ohne Zweifel die höchstdotierte Veranstaltung für die europäische Holstein- und Red Holsteinzucht, insbesondere auch für die Schweizer Züchter, die mit jeweils 15 Kühen und damit bei den Red Holsteins mit der grössten Gruppe zum Wettbewerb antraten. Auch bei den Holsteinern bildeten die Schweiz, wie auch Frankreich und Italien die grössten Gruppen-Teilnehmer mit jeweils 15 Tieren.
Die Versorgung der Tiere in Colmar war kaum zu überbieten: Alle Kühe standen fast knietief in stets sauberem Stroh. Ihnen stand auserlesenes, wohlriechendes Kraftfutter und Heu zur Verfügung, der Umgang war im Stall mehrheitlich ruhig, routiniert und freundlich.

PRÄSENTATIONSVORBEREITUNGEN, KUHFITTING UND VORFÜHREN IN DER ARENA
Es kamen auch in Colmar Methoden zum Einsatz, die aus Sicht des Tierschutzes untragbar sind. Hierzu zählt das übermässige Zurechtmachen und Stylen der Tiere, bei welchem sämtliche Körperregionen inklusive der Tasthaare geschoren und abrasiert und die Kühe dabei über mehrere Stunden hinweg in Zwangsständen mit überstrecktem Hals bei hoch fixierten Köpfen angebunden wurden. Alle präsentierten Kühe hatten abnormale, extrem gefüllte Euter, kaum eine wurde ohne Versiegelung der Zitzen vorgestellt, weil bei den meisten Kühen bereits weit vor den Vorführungen die Milch lief. Die Strichkanäle wurden fast ausnahmslos mit Sekundenkleber versiegelt - nur in wenigen Fällen wurde das etwas gewebefreundlichere Kollodium für die Versiegelung gewählt. Das aufgrund der prallen Euter deutlich veränderte Gangbild mit weit um das Euter herumgeführten Hinterbeinen und das Stehen mit annähernd gespreizten Beinen weisen unmissverständlich auf die damit verbundenen Schmerzen hin. Die diversen Verstösse gegen die Schweizer Tierschutzbestimmungen, die bestehenden Guidelines und Reglemente, sowie den für Schweizer Züchter verbindlichen Ehrenkodex für Viehausstellungen überschatten die vielen Prämierungen der Schweizer Kühe. Aus Sicht des Tierschutzes ist das fehlbare Verhalten der Betreuerteams, insbesondere des Schweizer Teams, nur gerade 60 km von der Landesgrenze entfernt, schockierend und schlichtweg inakzeptabel.