STS-Report Tierausstellungen 2017

Tier & Technik, IGBS-Ausstellung,
St. Gallen

[ 23. bis 26. Februar 2017, besucht am 24. Februar 2017 ]
Grundsätzlich kann der STS der Tier & Technik für 2017 ein gutes Zeugnis in vielen Tierwohl-Aspekten ausstellen. Dazu gehören insbesondere die grösstenteils guten und sauberen Haltungsbedingungen, die hohe Kontrolldichte durch die anwesenden AmtstierärztInnen, die in weiten Teilen eingehaltenen Ausstellungsregeln wie beispielsweise in Bezug auf das Milchablassen und das Verabreichen von Medikamenten, der Verzicht auf das Kühlen von Euter und/oder Zentralband mit kaltem Wasser oder Eis sowie vom Einsatz von Sekundenklebern - soweit von uns am Besuchstag beurteilbar. Es wurden am Besuchstag auch keine kranken oder von einem Tierarzt zu behandelnden Kühe beobachtet, was grundsätzlich einen guten Gesundheitsstatus der Tiere widerspiegelt und auch eine gute Eutergesundheit der Schaukühe attestiert.

Zudem begrüssen wir die Bemühungen der Organisatoren, dem Publikum eine gewisse Rassenvielfalt und auch Gruppen- bzw. Mutterkuhhaltungen an der Ausstellung zu zeigen. Allerdings müssten aus unserer Sicht diese Tiere auch in ihrem natürlichen Aussehen und Erscheinungsbild, also beispielsweise mit einem intakten und unangetasteten Haarkleid, ausgestellt werden.

Dem bedeutenden Stellenwert, den Tierausstellungen in der Gesellschaft haben, wird die diesjährige Tier & Technik aufgrund einiger entscheidender Verbesserungen im Tierwohl damit weitgehend gerecht. Es gibt aber aus unserer Sicht auch einige wichtige Kritikpunkte. So wurde insbesondere beim IGBS-Schauwettbewerb in einigen Fällen ein grober, respektloser Umgang mit den anvertrauten Tieren beobachtet, indem die Kühe häufig an empfindlichen Stellen gekniffen, gegen den Kronsaum getreten und ihnen mit der Kettenvorführleine am Kopf Schmerzen zugefügt wurden.

Die meisten Braunviehkühe wurden mit einer Vielzahl von kosmetischen Produkten präpariert, während sie in unnatürlicher Haltung über längere Zeit in einem Fixierstand ausharren mussten. Zudem bleibt weiterhin der Zitzenverschluss erlaubt, was dem Verlängern der Melkintervalle nach wie vor Tür und Tor öffnet. Zwar ist hierfür offiziell nur noch ein Mittel zugelassen, aber es ist kaum kontrollierbar, welcher Klebstoff sich jeweils tatsächlich in den Fläschchen befindet und in welcher Konzentration oder Vermischung er zur Versiegelung der Zitzen verwendet wurde.

Die Zwischenmelkzeiten müssen, wie zu Hause im Stall auch, auf maximal 12 Stunden festgelegt und kontrolliert durchgeführt werden. Wir hoffen auf weitere Entwicklungsprozesse, wie sie derzeit beispielsweise im benachbarten Deutschland umgesetzt werden. Da sind bei einigen Zuchtverbänden das Zitzenverkleben und Melkintervalle von mehr als 12 Stunden explizit verboten (Landesverband Bayerischer Rinderzüchter, Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter, Arbeitsgemeinschaft Deutscher Braunviehzüchter). Zudem wird das übermässige Zurechtmachen der Tiere für die Schauwettbewerbe als überflüssig betrachtet. Ein Besuch des STS in Buchloe an die Nacht der Holsteins hat gezeigt, dass die Durchsetzung solch strenger Reglemente auch für die Organisatoren, Aussteller und die Richter möglich war. Das kontrollierte abteilungsweise Melken vor der Rangierung, das generelle Verbot, Zitzen zu verkleben und die Rückstufung des übermässigen Zurechtmachens könnte, soweit konsequent und kontrolliert durchgeführt, auch an den hiesigen Kuhausstellungen und Schauwettkämpfen das Tierwohl und die Eutergesundheit der Schaukühe enorm verbessern. Bezüglich des übermässigen Zurechtmachens sollten sich die Viehzüchter an den Hundeausstellungen orientieren, an denen dies seit längerer Zeit untersagt ist.