STS-Report Tier- und Viehausstellungen 2018

4. Bourse aux reptiles de Villeneuve VD

[ 2. September 2018 ]
Tierbörsen sind gemäss Art. 104 Tierschutzverordnung (TSchV) bewilligungspflichtig, wobei die Bewilligung mit Auflagen verbunden ist. Die vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV erstellte Fachinformation zur Bewilligungs- und Ausbildungspflicht für Tierbörsen hält die relevanten Tierschutzbestimmungen fest und empfiehlt, die Auflagen der Bewilligung in ein Veranstaltungsreglement zu integrieren. Derartige Veranstaltungsreglemente bestehen mittlerweile an vielen Reptilienbörsen, so auch in Villeneuve. Sie enthalten zumeist Richtlinien zur Mindestgrösse, Einrichtung, Einsichtigkeit und Beschriftung der Behälter, wobei sich die Vorschriften je nach Börse unterscheiden.

Leider werden diese Regeln gemäss den Beobachtungen des STS noch zu selten umgesetzt und überwacht. Auch in Villeneuve konnte anhand verschiedener Beispiele festgehalten werden, dass die Börsenordnung häufig ignoriert wurde – ohne dass die Veranstalter eingriffen. Solch mangelhaft funktionierende Kontrollinstanzen sind aus Sicht des STS bedenklich. Der tierschutzwidrigen Tierhaltung und dem illegalen Verkauf werden so Tür und Tor geöffnet, insbesondere, wenn Kontrollen durch die Veterinärämter ebenfalls fehlen.

Seit März 2018 enthält die TSchV weiterführende Vorschriften zum Umgang mit Tieren an Veranstaltungen. Anlässlich von kurz dauernden Veranstaltungen dürfen die für Gehege vorgeschriebenen Mindestmasse demnach leichtgradig unterschritten werden, solange dies mit den vom Veterinäramt erteilten Bewilligungsauflagen zu vereinbaren ist. Die Einrichtungsvorschriften der TSchV gelten hingegen unabhängig von der Dauer einer Veranstaltung.

Die Umstände an Börsen unterscheiden sich teilweise von denen an eigentlichen Tierausstellungen, da es sich um Verkaufsbedingungen handelt. Aus diesem Grund – und auch, da der STS an Börsen immer wieder die fehlenden Kontrollen und die mangelhafte Umsetzung der Vorschriften feststellen muss, wäre es hilfreich, schweizweit geltende Ausführungsbestimmungen für die Ausstellung und den Verkauf von Reptilien an Börsen zu erlassen.

Weiter fordert der STS eine systematische Kontrolle durch den Veterinärdienst sowie durch die Veranstalter vor und während der Börsen. Verkäufer, welche den Bestimmungen nicht nachkommen, sollen konsequent abgemahnt und bei wiederholten Verstössen ausgeschlossen werden. Börsen, bei welchen das Börsenreglement nicht umgesetzt und kontrolliert wird, sollten von den Veterinärämtern nicht mehr bewilligt werden!

Verglichen mit der erstmalig in Villeneuve besuchten Reptilienbörse (1. Bourse aux Reptiles, 2015) präsentierte sich die diesjährige Veranstaltung in etwas besserem Licht. Verbesserungen zeigten sich insbesondere im Hinblick auf die Installation von Versteckmöglichkeiten sowie dem Bodengrund. Weiter fanden sich einige zufriedenstellende Haltungen hinsichtlich der Börsenbedingungen. Insgesamt gestaltete sich die Haltung der Tiere aber wenig tierfreundlich, und insbesondere hinsichtlich der Einsehbarkeit der Behälter, der Einrichtungen sowie teilweise auch der Behältergrössen besteht noch grosser Ausbau- und Verbesserungsbedarf. Die Unterkünfte der Tiere müssen zumindest so gross sein, dass die Tiere darin eine natürliche Position einnehmen, sich angstfrei bewegen und ungehindert drehen können. Weiter sollten die Tiere nicht länger als sechs Stunden in den Behältern verbringen müssen. Der STS vertritt zudem die Ansicht, dass die Behälter nur von einer Seite her einsehbar sein dürfen. Gemäss TSchV und auch aus Sicht des STS müssen die Behälter zudem im Minimum Rückzugsmöglichkeiten sowie Bodengrund enthalten. Der Stressreduktion sollte grösstmögliche Priorität eingeräumt werden. Tiere, für welche die kleinen Behälter eine offensichtliche Stressbelastung darstellen, müssen in grössere Unterkünfte verbracht werden. Solange kein Kauf erfolgt, ist zudem auf die Verhinderung einer Manipulation der Tiere und der Behälter zu achten.

Auch auf die Informationsvermittlung muss grossen Wert gelegt werden, da ausreichende Kenntnisse des Besitzers den Grundstein für eine tierfreundliche Haltung darstellen. Es ist folglich unbedingt notwendig, die Käufer schriftlich über die Tiere, deren Bedürfnisse und die korrekte Haltung zu informieren. Hierfür sollen die Behälter mit vollständigen Angaben über die darin untergebrachten Tiere (Artname auf lateinisch, Alter, Geschlecht, Körperlänge, Herkunft, Schutzstatus, allfällige Bewilligungspflicht) versehen sein. Verglichen mit der 2015 besuchten Börse verbesserte sich die Beschriftung – Ausbaubedarf bestand allerdings nach wie vor. Weiter ist aus Sicht des STS eine Abgabe von Informationsblättern oder -broschüren, welche über die Bedürfnisse der Tiere, die tiergerechte Haltung und die Rechtsvorschriften aufklären, vonnöten. Eine derartige Abgabe ist gemäss Art. 111 TSchV beim gewerbsmässigen Verkauf von Tieren vorgeschrieben. In Villeneuve entdeckte der STS allerdings nur bei zwei Anbietern Merkblätter. Ob die anderen Verkäufer Informationsmaterialien abgaben, ist unklar. Insgesamt kann die Informationsvermittlung in Villeneuve nicht als zufriedenstellend bezeichnet werden.

Der STS ist ferner der Ansicht, dass an Börsen stets auch Showterrarien installiert sein sollten. Derartige Terrarien weisen grosszügige Platzverhältnisse und eine tiergerechte Strukturierung auf; sie dienen somit als Positivbeispiele, welche den Unterschied zwischen temporären Verkaufsbedingungen und permanenter Haltung zu Hause verdeutlichen. Leider verpasste man in Villeneuve diese wichtige Chance zur Sensibilisierung erneut.