STS-Report Tier- und Viehausstellungen 2018

18. Baselbieter Reptilien- und Terrarienbörse Lausen

[ 28. Oktober 2018 ]
Tierbörsen sind gemäss Art. 104 Tierschutzverordnung (TSchV) bewilligungspflichtig, wobei die Bewilligung mit Auflagen verbunden ist. Den für die Veranstaltung verantwortlichen Personen wird empfohlen, die Auflagen der Bewilligung in ein Veranstaltungsreglement zu integrieren.

Derartige Veranstaltungsreglements bestehen mittlerweile an vielen Reptilienbörsen, so auch in Lausen. Sie enthalten zumeist Richtlinien zur Mindestgrösse, Einrichtung, Einsehbarkeit und Beschriftung der Behälter, wobei sich die Vorschriften je nach Börse unterscheiden.

Leider werden diese Regeln gemäss den Beobachtungen des STS noch zu selten umgesetzt und überwacht. Auch in Lausen musste festgehalten werden, dass das Veranstaltungsreglement wiederholt ignoriert wurde – ohne dass die Veranstalter eingriffen. Solch mangelhaft funktionierende Kontrollinstanzen sind aus Sicht des STS nicht tolerabel. Wir fordern deshalb eine systematische Kontrolle durch den Veterinärdienst sowie durch die Veranstalter vor und während der Börsen. Verkäufer, welche den Bestimmungen nicht nachkommen, sollen konsequent abgemahnt und bei wiederholten Verstössen ausgeschlossen werden. Börsen, bei welchen das Veranstaltungsreglement nicht umgesetzt und kontrolliert wird, sollten von den Veterinärämtern nicht mehr bewilligt werden!

Seit März 2018 definiert die TSchV weiterführende Vorschriften zum Umgang mit Tieren an Veranstaltungen. Anlässlich von kurz dauernden Veranstaltungen dürfen die für Gehege vorgeschriebenen Mindestmasse demnach leichtgradig unterschritten werden, solange dies mit den vom Veterinäramt erteilten Bewilligungsauflagen zu vereinbaren ist. Die Einrichtungsvorschriften der TSchV gelten hingegen unabhängig von der Dauer einer Veranstaltung.

Die Umstände an Börsen unterscheiden sich teilweise von denen an eigentlichen Tierausstellungen, da es sich um Verkaufsbedingungen handelt. Aus diesem Grund – und auch, da der STS an Börsen immer wieder die fehlenden Kontrollen und die mangelhafte Umsetzung der Vorschriften feststellen muss, wäre es hilfreich, schweizweit geltende Bestimmungen für die Ausstellung und den Verkauf von Reptilien an Börsen zu erlassen.

Verglichen mit der erstmalig in Lausen besuchten Reptilienbörse 2014 präsentierte sich die diesjährige Veranstaltung in etwas besserem Licht. Verbesserungen zeigten sich insbesondere im Hinblick auf die manipulationssichere Präsentation der Tiere und die Informationsvermittlung. Löblich zu erwähnen sind die einzelnen, tiergerecht eingerichteten Terrarien. Insgesamt gestaltete sich die Haltung der Tiere aber weiterhin wenig tierfreundlich. Insbesondere hinsichtlich der Einsehbarkeit der Behälter, der Einrichtungen sowie teilweise auch der Behältergrössen besteht noch grosser Ausbau – und Verbesserungsbedarf. Die Unterkünfte der Tiere müssen zumindest so gross sein, dass die Tiere darin eine natürliche Position einnehmen, sich angstfrei bewegen und ungehindert drehen können. Weiter sollten die Tiere nicht länger als sechs Stunden in den Behältern verbringen müssen. Der STS vertritt zudem die Ansicht, dass die Behälter nur von einer Seite her einsehbar sein dürfen. Gemäss TSchV und auch aus Sicht des STS müssen alle Behälter zudem im Minimum Rückzugsmöglichkeiten sowie Bodengrund enthalten. Der Stressreduktion sollte grösstmögliche Priorität eingeräumt werden. Tiere, für welche die kleinen Behälter eine offensichtliche Stressbelastung darstellen, müssen in grössere Unterkünfte verbracht oder aus der Ausstellungssituation entfernt werden. Solange kein Kauf erfolgt, ist zudem auf die Verhinderung einer Manipulation der Tiere und der Behälter zu achten. Nach einem allfälligen Kauf müssen die Tiere ruhig untergebracht oder sofort vom Käufer in ihr zukünftiges Terrarium überführt werden.

Tiere, welche gemäss der Verordnung des BLV über den Tierschutz beim Züchten eine mittlere bis starke Belastung aufweisen, sollten per Veranstaltungsreglement vom Verkauf ausgeschlossen werden.

Auch auf die Informationsvermittlung muss grossen Wert gelegt werden, da ausreichende Kenntnisse der Tierhalter den Grundstein für eine tierfreundliche Haltung darstellen. Es ist folglich unbedingt notwendig, die Käufer schriftlich über die Tierarten, deren Bedürfnisse und die korrekte Haltung zu informieren. Hierfür sollen die Behälter mit vollständigen Angaben über die darin untergebrachten Tiere (Artname auf Lateinisch, Alter, Geschlecht, Körperlänge, Herkunft, Schutzstatus, allfällige Bewilligungspflicht) versehen sein. Verglichen mit der 2014 besuchten Börse verbesserte sich die Beschriftung deutlich – Verbesserungsbedarf besteht allerdings nach wie vor. Weiter ist aus Sicht des STS eine Abgabe von Informationsblättern oder -broschüren, welche über die Bedürfnisse der Tiere, die tiergerechte Haltung und die Rechtsvorschriften aufklären, vonnöten. Eine derartige Abgabe ist gemäss Art. 111 TSchV beim gewerbsmässigen Verkauf von Tieren auch gesetzlich vorgeschrieben.

Der STS ist ferner der Ansicht, dass an Börsen stets auch Vorzeigeterrarien installiert sein sollten. Derartige Terrarien weisen grosszügige Platzverhältnisse, eine tiergerechte Einrichtung und Strukturierung sowie eine erstklassige Beleuchtung auf; sie dienen damit als Anschauungsbeispiele, welche den Unterschied zwischen einer temporären Unterbringung unter Verkaufsbedingungen und der permanenten Haltung zu Hause verdeutlichen. Leider verpasste man in Lausen diese wichtige Chance zur Sensibilisierung erneut.

Lobenswert sind die Vortragsveranstaltungen, die von den Besuchern kostenlos besucht werden konnten. Dieses Angebot zur Informationsvermittlung sollte aus Sicht des STS weiter ausgebaut werden.