STS-Report Tierausstellungen 2017

LUGA Luzern

[ 28. April bis 7. Mai 2017, besucht am 28. April und 3. Mai 2017 ]
Die Tierschutzverordnung (TSchV) schreibt gesetzliche Mindestanforderungen für die permanente Tierhaltung vor. Für Ausstellungen können die Kantone aber Ausnahmebewilligungen erstellen und so eine kurzzeitige Unterschreitung der Mindestmasse tolerieren. Der Schweizer Tierschutz STS verfolgt hier einen anderen Ansatz, aus seiner Sicht haben Tierausstellungen immer eine Vorbildfunktion. Die Mindestmasse der TSchV sollten daher zumindest eingehalten, wenn immer möglich aber übertroffen werden, damit dem Publikum eine tierfreundliche Haltung vorgelebt wird. Im Vergleich zum letzten Jahr wurden an der LUGA 2017 die Mindestmasse der TSchV stets in mehr oder weniger grossem Masse übertroffen, was löblich ist.

Die Kleintierhaltung zeigte sich aus Sicht des STS zufriedenstellend. Zwar waren einige Gehege flächenmässig etwas kleiner als letztes Jahr, dafür verzichtete man auf die Einzelhaltung in kleinen Ställen. Die Flächenmasse der Kaninchen-, Tauben- und Kanariengehege gestalteten sich insgesamt immer noch grosszügig, diejenigen der Meerschweinchen, Papageien und Hühner ausreichend. Grosser Wert wurde ferner auf Sozialkontakte durch Gruppenhaltung, eine bedürfnisgerechte Gehegeeinrichtung und Sichtschutz / Rückzugsmöglichkeiten gelegt. Die Wichtigkeit letzterer demonstrierte sich durch das Verhalten der Tiere, welche die Gelegenheit zum Rückzug nutzten. Zu verbessern wäre die Einstreu bei den Hühnern. Diese war aus Sicht des STS zu grob, um ein Staubbad zu ermöglichen, auch wären Nestabteile für die Tauben von Vorteil gewesen.

Die Nutztier- und Pferdehaltung war mit dem letzten Jahr vergleichbar und insgesamt akzeptabel. Es besteht allerdings noch Verbesserungspotential – für die kommenden Jahre sollte darauf geachtet werden, hier nicht zu stagnieren. Für wirklich vorbildliche Haltungsbedingungen wären bei den adulten Ziegen, den Pferden und der Muttersau grössere Gehegeflächen wünschenswert. Diese würden es im Falle der Ziegen auch ermöglichen, zusätzliche Klettermöglichkeiten und erhöhte Liegeflächen anzubieten. Bei der Schafhaltung empfiehlt der STS nach wie vor eine reduzierte Besatzdichte. Positiv zu erwähnen sind die Bemühungen der Messeleitung um mehr Rückzug bei den Nutztieren; neu waren sowohl das Mastschweine- als auch das Schafgehege nur noch von einer Seite zugänglich. Auch die Installation einer Absperrung beim Ferkelnest (wenngleich sie erst auf Hinweise des STS hin installiert wurde) ist als positiv zu werten.

Zum Streichelzoo ist folgendes zu bemerken: Streichelzoos können aus psychologischer und pädagogischer Sicht äusserst wertvoll sein, denn sie ermöglichen Mensch-Tier-Begegnungen und fördern die Freude der Besucher an den Tieren. Auch können den Besuchern Kenntnisse über die artgemässe Haltung der Tiere vermittelt werden. Ein Streichelzoo darf aber nie der alleinigen Bedürfnisbefriedigung des Menschen dienen, sondern soll auch Rücksicht auf die Bedürfnisse der Tiere nehmen. Aus diesem Grund müssen Streichelzoos über Rückzugsbereiche verfügen sowie von Aufsichtspersonen betreut werden, die die Einhaltung des Rückzugs sowie den umsichtigen Umgang mit den Tieren sicherstellen. Selbstverständlich benötigt ein Streichelzoo auch ausreichend Platz für Mensch und Tier sowie eine tierfreundliche Einrichtung. Der 2017 an der LUGA präsentierte Streichelzoo wies grosszügige Flächen auf, ebenso waren alle für die Tiere notwendigen Ressourcen sowie Rückzugsbereiche vorhanden. Die Anwesenheit von Betreuungspersonen in jedem Gehege ist ebenfalls positiv zu vermerken. Mit einer Ausnahme (siehe nachfolgend) schienen die Betreuungspersonen aufmerksam und konnten zumindest während der Präsenz des STS einen sorgsamen Umgang mit den Tieren sowie die Respektierung der Rückzugbereiche garantieren. Leider konnte einmal beobachtet werden, wie eine der Betreuungspersonen die im Rückzugsbereich ruhenden Hühner in den Besucherbereich scheuchte, was natürlich nicht Sinn der Sache ist! Nach wie vor sollte zudem verstärkt darauf geachtet werden, dass die Gehege der (sorgsamen) Mensch-Tier-Begegnung und nicht als Spielplatz für Kinder dienen.