STS-Report Tierausstellungen

Schweizerische Kleintierausstellung Freiburg

[ 5. bis 7. Januar 2018, besucht am 7. Januar 2018 ]
Die Tierschutzverordnung (TSchV) schreibt gesetzliche Mindestanforderungen für die Tierhaltung vor. Bisher – und auch zum Zeitpunkt der Gesamtausstellung – konnten die Kantone auf Gesuch der Veranstalter Ausnahmebewilligungen erstellen und so Unterschreitungen der Mindestmasse erlauben. Ab dem 1. März 2018 werden durch das Inkrafttreten der revidierten TSchV Unterschreitungen der Mindestmasse toleriert, solange diese geringfügig sind und die Ausstellungen nicht länger als vier Tage dauern (Art. 30b TSchV). Nicht toleriert werden hingegen Abweichungen bei den Gehegeeinrichtungen, hier müssen die Vorschriften der TSchV ausnahmslos eingehalten werden. Der STS verfolgt hingegen seit jeher den Ansatz der Vorbildfunktion: Die Mindestanforderungen der TSchV sollten bei Tierausstellungen stets eingehalten und wenn möglich zu Gunsten des Tierwohls übertroffen werden. Denn es darf nicht vergessen werden, dass die Mindestvorschriften keineswegs mit einer tierfreundlichen Haltung gleichzusetzen sind, sondern lediglich das absolute Minimum darstellen, welches der Halter erfüllen muss, um sich nicht strafbar zu machen. Für Ausstellungen besonders wertvoll sind grosszügig dimensionierte und reichhaltig strukturierte Schaugehege. Auf diese Weise kann sich das interessierte Publikum über tierfreundliche Haltungsbedingungen informieren, sich die gezeigten Beispiele einprägen und zu Hause nachleben.

Der STS kritisiert folglich die wenig tierfreundlichen Haltungsbedingungen in den Ausstellungskäfigen, bei welchen die Vorschriften der TSchV missachtet wurden. Zu bemängeln ist auch die starke Exposition der Tiere. Selbst bei prämierten Ausstellungen wäre es aus Sicht des STS vertretbar, ja sogar notwendig, für ausreichenden Rückzug sowie eine Distanz der Besucher zum Käfig zu sorgen.

Anerkennenswert ist indessen, dass die Veranstalter nebst den kargen Ausstellungskäfigen auch grössere und besser strukturierte Gehege zeigten, darunter einige Schaugehege mit lobenswerten Platzverhältnissen und Einrichtungen.

Die Mehrheit der Tiere kam mit den Ausstellungsbedingungen erstaunlich gut zurecht und widmete sich gelassen der Körperpflege, nahm Nahrung auf, ruhte oder zeigte weitere arttypische Verhaltensweisen. Es fanden sich aber auch etliche Individuen, welche massiv belastet und in ihrer Anpassungsfähigkeit überfordert waren. Solche Tiere leiden bei starker Exposition umso mehr. Der STS kritisiert dies. Aus seiner Sicht sind Ausstellungen nur dann gerechtfertigt, wenn sie für die Tiere nicht mit starken Belastungen verbunden sind. Es sollten daher nur Arten und Individuen ausgestellt werden, die mit der Ausstellungssituation gut zurechtkommen. Glücklicherweise wurde bei der revidierten TSchV auch hier der Hebel angesetzt: Art. 30 Abs. 2 lit. c TSchV besagt, dass überforderte Tiere ausserhalb des Publikumsbereichs untergebracht und entsprechend versorgt werden sollen. Ab dem 1. März besteht also eine rechtliche Verpflichtung für die Aussteller, belastete Tiere aus der Ausstellung zu entfernen.

Für manche der gezeigten Tierarten wie beispielsweise Fasane, Enten und Gänse bestehen keine Haltungsvorschriften. Die kreisförmig angeordneten Fasanenvolieren bewertete der STS als befriedigend, das Aussengehege für Wildenten als gut. Die Gehege für die Hausgänse und Enten hingegen zeigten eine mässige Tierhaltung. Aus Sicht des STS könnten diese grössere Flächen und insbesondere auch grössere Wasserbecken aufweisen, denn selbige waren zu klein, um als Schwimmgelegenheit zu dienen.

An der Ausstellung wurden einige Tiere mit tiefgreifenden Änderungen im natürlichen Erscheinungsbild bzw. extremen Merkmalsausprägungen präsentiert, unter anderem beim Gefieder (z. B. stark belatschte Tauben- und Hühnerrassen, Pfauentauben, haubentragende Enten, Wellensittiche, Kanarien und Hühner), Fell (Angorakaninchen) und bei den Sinnesorganen (Englische Widder). Aus Sicht des STS führen übertypisierte Merkmale zu Einschränkungen im natürlichen Verhalten oder beeinflussen die Gesundheit des Tieres nachteilig. Manche Merkmale, wie z. B. die Federhauben, können zudem mit körperlichen Defekten einhergehen. Der STS ist der Ansicht, dass solche Tiere stark belastet sind. Sie sollten nicht ausgestellt und auch nicht gezüchtet werden.

An der Gesamtausstellung wurden mehrere nachgezüchtete einheimische Sperlings- und Entenvögel gezeigt. Gemäss Art. 7 Jagdgesetz (JSG) gelten alle einheimischen Vögel (ausser die als jagdbares Wild deklarierten Arten) als geschützt, und es bedarf für ihre Haltung einer kantonalen Bewilligung nach Art. 10 JSG. Auf die Bewilligungspflicht wurde allerdings nicht hingewiesen, obwohl manche Vögel zum Verkauf standen! Zu beachten ist auch, dass die Ausstellungsbedingungen für diese Tiere eine grosse Belastung darstellen, da die Vögel im Vergleich zu domestizierten Arten noch viel fluchtbereiter sind und weniger mit restriktiven Haltungsbedingungen in Menschenhand umgehen können. Der STS steht ihrer Ausstellung daher kritisch gegenüber.