STS-Report Tier- und Viehausstellungen 2018

Internationale Katzenausstellung Wettingen

[ 3. und 4. März 2018, besucht am 4. März 2018 ]
Was den Umgang mit den Katzen und die ruhige Atmosphäre anbelangte, zeigte sich an der Katzenausstellung in Wettingen ein positives Bild. Erfreulich war auch, dass ein Grossteil der Katzen offenbar gut mit der Ausstellungssituation zurecht kam. Dies lässt den Schluss zu, dass viele Züchter sorgfältig abwägten, welchen Tieren sie die Ausstellung zumuteten und welchen nicht. Problematisch blieben weiterhin die mangelhafte Einrichtung vieler Käfige sowie die Präsentation und Prämierung von Katzen, die zu den Extremzuchten zu zählen sind bzw. Extremzuchtmerkmale aufwiesen.

Am 1. März 2018 trat die Revision der Tierschutzverordnung (TSchV) in Kraft. Sie bringt im Bereich der Tierausstellungen einige Veränderungen mit sich, die zu einer deutlichen Verbesserung des Tierschutzes an Ausstellungen führen sollen und deren Einhaltung unbedingt sicherzustellen ist.

Im Art. 30b der TSchV ist festgehalten, dass geringfügige Unterschreitungen der Mindestmasse von Gehegen für Veranstaltungen, die maximal 4 Tage dauern, toleriert werden. Grundsätzlich sind nur mehr geringfügige Unterschreitungen ausnahmsweise gestattet – die Unterbringung der Tiere an Ausstellungen soll sich nicht wesentlich von der gewohnten zu Hause unterscheiden. Für die Dauerhaltung von Katzen (bis zu 4 Tieren) sind gemäss TSchV Mindestmasse von 7 m² für die Grundfläche und 2 m für die Höhe vorgeschrieben. Selbst die Doppelkäfige an der Ausstellung unterschreiten demnach also die Mindestmasse nicht nur geringfügig sondern sehr deutlich. Es ist daher aus Sicht des STS unumgänglich, dass Katzen an Ausstellungen zumindest in Doppelkäfigen gehalten werden müssen. Gerade grossen Rassen steht in den Einzelkäfigen, die gerade mal 0,49 m² Grundfläche aufweisen, zu wenig Platz zur Verfügung; sie haben darin noch nicht einmal die Möglichkeit ausgestreckt zu liegen.

In diesem Zusammenhang wird in der revidierten Tierschutzverordnung auch explizit festgehalten, dass keine Einschränkungen der (qualitativen) Anforderungen an die Einrichtung der Gehege an Veranstaltungen erlaubt sind. Das heisst, Ausstattung und Strukturierung der Gehege müssen den Mindestvorgaben für die Dauerhaltung der Tiere entsprechen. Damit müssen Katzen an Ausstellungen – analog der Dauerhaltung – erhöhte Ruheflächen, Rückzugsmöglichkeiten, Kratzgelegenheiten, Beschäftigungsmöglichkeiten, eine Katzentoilette und ständiger Zugang zu Wasser gewährt werden. Oftmals angebrachte Einwände seitens der Aussteller, dass gewisse Katzen gar keine Rückzugsmöglichkeit wollen oder ihnen Wasser und eine Katzentoilette bei Bedarf in den Käfig gegeben wird, sind damit hinfällig. Die Bestimmungen regeln nun, dass den Ausstellungstieren die erwähnte Ausstattung dauerhaft angeboten werden muss, unabhängig davon, ob eine Katze in Einzelfällen davon Gebrauch machen wird. Vorgeschrieben ist neu auch, dass Tiere, die mit der Situation an einer Ausstellung überfordert sind und deutliche Verhaltensabweichungen oder anhaltende Stresssymptome zeigen, aus den Veranstaltungsräumen entfernt werden müssen. Es liegt daher in der Verantwortung der Aussteller und Organisatoren alles dafür zu tun, dass Katzen sich möglichst wohl fühlen an der Ausstellung, und regelmässig zu überprüfen, ob Tiere vor Ort sind, die trotz Rückzugsmöglichkeiten etc. belastet sind und demzufolge die Ausstellung verlassen müssen.

Weiterhin sehr problematisch bleibt das Ausstellen von Katzen, die den Extremzuchten zuzuordnen sind bzw. Extremzuchtmerkmale aufweisen, insbesondere wenn sich diese belastend auf die Tiere, ihr Verhalten oder ihre Gesundheit auswirken. Denn auch hier schreibt die revidierte TSchV nun deutlich vor, dass Tiere mit eingeschränkten Organ- und Sinnesfunktionen oder Abweichungen vom arttypischen Verhalten, die direkt mit den Zuchtzielen der entsprechenden Rassen zusammenhängen (z. B. brachycephales Syndrom) nicht mehr ausgestellt werden dürfen. Daher sollten Sphynx und Devon Rex Katzen, die aufgrund fehlender oder verkümmerter Tasthaare nicht mehr in der Lage sind, einen essentiellen Teil ihres Tastsinns zu nutzen, in Zukunft von Ausstellungen ausgeschlossen werden. Gleiches gilt für Vertreter der Rassen Perser und Exotic Shorthair, die aufgrund ihrer extrem ausgeprägten Brachycephalie mit diversen gesundheitlichen Problemen belastet sind.

Der Schweizer Tierschutz STS fordert die Ausstellungsverantwortlichen und die FFH (Fédération Féline Helvétique) auf, das Katzenwohl an Ausstellungen weiter zu verbessern. Hierfür müsste aus unserer Sicht in einem ersten Schritt das Ausstellungsreglement hinsichtlich der revidierten Tierschutzverordnung angepasst und entsprechend umgesetzt werden.