STS-Report Tierausstellungen 2017

Internationale Katzenausstellung Lausen

[ 4. und 5. November 2017, besucht am 5. November 2017 ]
Das Ausstellungsreglement verlangte von den Ausstellern in Lausen, wie auch an anderen Ausstellungen üblich, lediglich, dass die Käfige mit einer Unterlage und Vorhängen ausgestattet waren. Ausserdem empfahlen die Verantwortlichen, den Tieren Wasser und eine Katzentoilette zur Verfügung zu stellen. Unsere Beobachtungen zeigten aber, dass diese Vorschriften für das Tierwohl nicht ausreichend waren und zudem nicht den gesetzlichen Mindestanforderungen entsprachen. Des Weiteren wurden die Minimalanforderungen des Reglements nicht in allen Fällen eingehalten. Gerade der fehlende Rückzug in etwa der Hälfte aller Käfige stellte ein grosses Problem dar. Zwar gab es Katzen, die offenbar an die Ausstellungssituation gewohnt und charakterlich so veranlagt waren, dass sie auch ohne Rückzugsmöglichkeit auskamen. Andererseits verfügten aber praktisch alle verängstigten Katzen, die an der Ausstellung beobachtet werden konnten, über keinerlei Sichtschutz oder Rückzugsmöglichkeiten. Aus diesem Grund fordert der Schweizer Tierschutz STS die Verantwortlichen auf, ihr Ausstellungsreglement anzupassen und den Rückzug in jedem Käfig zwingend zu verlangen. Die Änderungen der Tierschutzbestimmungen verlangen ab März 2018, dass Tiere, die mit der Ausstellungssituation überfordert sind, vom Veranstaltungsort entfernt und entsprechend gepflegt und versorgt werden müssen (Art. 103a). Zudem sind nur mehr kurzzeitige geringfügige Abweichungen von den Mindestanforderungen der Tierschutzverordnung an Tierausstellungen erlaubt. Dem ist in den Ausstellungsreglementen Rechnung zu tragen. Selbes gilt für die Wartekäfige im Richterbereich, die zwingend mit Unterlagen und Sichtschutz bzw. Rückzugsbereich ausgestattet werden müssten.

Auch in Lausen wurden Katzen ausgestellt, die unter der Ausstellungssituation so litten, dass sie von ihren Besitzern gar nicht erst hätten ausgestellt werden sollen. In einem Fall konnte über einen längeren Zeitraum eine etwa eineinhalbjährige Britisch Kurzhaar Katze beobachtet werden (Seite 9, unten), die auf der Seite liegend eine Atemfrequenz von gegen 200 Atemzügen pro Minute zeigte (bei einer ruhenden Katze liegt die Atemfrequenz etwa bei 20 – 40 Atemzügen pro Minute). Ausserdem zeigte sie Maulatmung, was bei Katzen eher selten auftritt, und wenn, dann im Zusammenhang mit einer Erkrankung, Überhitzung oder Stress steht. Auf unsere Frage hin, wieso dieses Tier so atme, gab die Besitzerin zur Antwort, dass es der Katze zu heiss sei, mit dem Tier ansonsten aber alles in Ordnung sei. Erfahrungsgemäss haben Kurzhaarkatzen bei Temperaturen von 23 °C kaum Probleme mit der Thermoregulation. Hier dürfte primär die stark belastende Ausstellungssituation die Ursache gewesen sein. Der STS fordert die Ausstellungsverantwortlichen und jeden einzelnen Aussteller auf, dringend dafür zu sorgen, dass sämtliche Katzen an der Ausstellung auf Stresssymptome (erhöhte Atemfrequenz bei ruhenden Tieren, Maulatmung, nach hinten gelegte Ohren, auf den Boden gepresster, geduckter Körper, aufgerissene Augen mit geweiteten Pupillen, Speicheln etc.) überprüft werden. Aussteller, deren Katzen sich trotz Rückzugsmöglichkeiten nicht beruhigen, sollten in Zukunft nicht mehr ausgestellt werden dürfen bzw. müssten das Ausstellungsgelände verlassen.

Leider war der Anteil an Rassevertretern mit extremen Zuchtmerkmalen (Perser und Exotisch Kurzhaar mit stark verkürzter Nase und Sphynx- sowie Rexkatzen mit verkümmerten oder fehlenden Schnurrhaaren) an dieser Ausstellung sehr hoch. Der STS fordert, auf das Präsentieren und insbesondere auf das Prämieren solcher belasteter Tiere zu verzichten, um der Züchtung von immer extremeren Körpermerkmalen entgegenzuwirken. Die Tatsache, dass Rassen mit Extremzuchtmerkmalen an Ausstellungen präsentiert werden, kann beim Publikum zur falschen Annahme führen, dass es sich hierbei um unproblematische, gesunde Rassen handle und die Anschaffung solcher Tiere erstrebenswert sei.