STS-Report Tier- und Viehausstellungen 2018

Internationale Katzenausstellung Lausen

[ 11. und 12. August 2018, besucht am 12. August 2018 ]
Positiv fielen an der Internationalen Katzenausstellung in Lausen auch in diesem Jahr der mehrheitlich gute Umgang mit den Tieren sowie die ruhige Atmosphäre auf. Sehr erfreulich war es, dass ein Grossteil der Katzen an die Ausstellungssituation gewöhnt war und gut damit zurecht kam. Daraus lässt sich schliessen, dass viele Züchter abwägen, welchen Katzen sie eine Ausstellung zumuten können und welchen nicht. Die Mehrheit der Aussteller versuchte ihren Katzen die Ausstellung möglichst angenehm zu machen, indem sie für Rückzugsmöglichkeiten, erhöhte Liegeflächen, Wasser und eine Katzentoilette sorgte. Leider fehlte aber immer noch bei einem Drittel aller Käfige der – insbesondere für ängstliche Katzen – so wichtige Rückzug.

Seit dem 1. März ist die revidierte Tierschutzverordnung (TSchV) in Kraft, die im Bereich der Ausstellungen einige Veränderungen mit sich bringt, die zu einem verbesserten Tierwohl führen sollen. Es wird dort unter anderem aufgeführt, dass keine Einschränkungen der (qualitativen) Anforderungen an die Einrichtung der Gehege an Veranstaltungen erlaubt sind. Das heisst, Ausstattung und Strukturierung der Gehege müssen den Mindestvorgaben für die Dauerhaltung der Tiere entsprechen. Damit müssen Katzen an Ausstellungen – analog der Dauerhaltung – erhöhte Ruheflächen, Rückzugsmöglichkeiten, Kratzgelegenheiten, Beschäftigungsmöglichkeiten, eine Katzentoilette und ständiger Zugang zu Wasser gewährt werden. Oftmals angebrachte Einwände seitens der Aussteller, dass gewisse Katzen gar keine Rückzugsmöglichkeit wollen oder ihnen Wasser und eine Katzentoilette bei Bedarf in den Käfig gegeben wird, sind damit hinfällig. Die Bestimmungen regeln nun, dass den Ausstellungstieren die erwähnte Ausstattung dauerhaft angeboten werden muss, unabhängig davon ob eine Katze in Einzelfällen davon Gebrauch machen wird. Vorgeschrieben ist neu auch, dass Tiere, die mit der Situation an einer Ausstellung überfordert sind und deutliche Verhaltensabweichungen oder anhaltende Stresssymptome zeigen, aus den Veranstaltungsräumen entfernt werden müssen. Es liegt daher in der Verantwortung der Aussteller und Organisatoren alles dafür zu tun, dass Katzen sich möglichst wohl fühlen an der Ausstellung und regelmässig zu überprüfen, ob Tiere vor Ort sind, die trotz Rückzugsmöglichkeiten etc. belastet sind und demzufolge die Ausstellung verlassen müssen.

Die revidierte Tierschutzverordnung schreibt neu klipp und klar vor, dass Tiere mit eingeschränkten Organ- und Sinnesfunktionen oder Abweichungen vom arttypischen Verhalten, die direkt mit den Zuchtzielen der entsprechenden Rassen zusammenhängen, nicht mehr ausgestellt werden dürfen. Vor diesem Hintergrund ist es umso bedauerlicher und unverständlicher, dass in diesem Jahr mit der Devon Rex, der Cornish Rex, der Sphynx, der Perser und Exotisch Kurzhaar mit extrem ausgeprägter Brachycephalie sowie neu mit der Kurilischen Bobtail gleich sechs Rassen ausgestellt wurden, die deutliche Extremzuchtmerkmale aufwiesen und demzufolge aus Sicht des STS nicht hätten ausgestellt werden dürfen. Es ist zudem besorgniserregend, wie am Beispiel der Orientalischen Kurzhaar beobachtet werden kann, wie innerhalb einer Rasse, die typischen Merkmale immer extremer herausgezüchtet werden. Züchter, die mit ihren Tieren auf diesem Abweg am weitesten vorangeschritten sind, wurden von einem Richter auch noch bestärkt und mit hohen Wertungen belohnt.

Der Schweizer Tierschutz STS fordert die Ausstellungsverantwortlichen und die FFH (Féderation Féline Helvetiqué) dringend auf, das Katzenwohl an Ausstellungen weiter zu verbessern und nun endlich die tierschutzrelevante Extremzuchtproblematik ernst zu nehmen. Der Gesetzgeber hat hier klare Vorgaben gemacht, sodass es nicht nachvollziehbar ist, weshalb Katzenzüchter und Aussteller immer noch dagegen verstossen. Es ist daher zwingend nötig, dass das Ausstellungsreglement hinsichtlich der revidierten Tierschutzverordnung angepasst und in der Praxis umgesetzt wird. Aber auch die Tierschutz-Behörden sind aufgerufen, die gesetzlichen Vorgaben zur Extremzucht bei Katzen und an Katzenausstellungen durchzusetzen!