STS-Report Tier- und Viehausstellungen 2018

Internationale Hundeausstellung Genf

[ 9. bis 11. November 2018, besucht am 10. November 2018 ]
Die internationale Hundeausstellung in Genf bot auch dieses Jahr mit dem nahegelegenen Park zum Gassi gehen (vor, während und nach der Ausstellung) sowie den in unmittelbarer Nähe befindlichen Parkplätzen zu den Ausstellungshallen grundsätzlich tierfreundliche Bedingungen für Hunde und AusstellerInnen. Auch der grosszügig angelegte Versäuberungsplatz wurde rege zweckgemäss genutzt, sodass die Ausstellungshalle weitestgehend frei von Fäkalgerüchen und -spuren war. Trotz den im Vergleich zu anderen Ausstellungshallen grosszügigen Platzverhältnissen bestand zwischen den Ringen und in den Gängen mehrheitlich dichtes Gedränge. Für Besucher und Hunde war das gegenseitige Ausweichen daher nicht immer einfach.

Eine Verbesserung im Vergleich zur 2016 vom STS besuchten IHA in Genf stellten die individuellen Platzangebote für die Hunde dar: diese mussten mehrheitlich nicht mehr in viel zu kleinen Käfigen und Boxen teils über mehrere Stunden ausharren oder sich den eng bemessenen Platz auch noch mit Artgenossen teilen. Hier wurde unsere Kritik erhört und Missstände offenbar häufiger beanstandet bzw. Verbesserungen entsprechend umgesetzt.

Die Organisatoren haben die Aussteller und Richter vor und während der Ausstellung hinreichend über die geltenden Tierschutzbestimmungen und das Ausstellungsreglement (z. B. Verbot des übermässigen Zurechtmachens, Verbot von Würgehalsbändern und Leinen ohne Stopp etc.) informiert, auch in Form von Plakaten und Bodenbeschriftungen am Ring mit dem Motto: No Powder - No Spray - No Problem. Trotzdem verfehlten diese Informationsmassnahmen zum Teil ihr Ziel: Zwar schien erfreulicherweise das übermässige Zurechtmachen tendenziell etwas weniger verbreitet gewesen zu sein als bei früheren Ausstellungen. Hingegen gab es an der Ausstellung immer noch sehr viele Hunde, die beim Zurechtmachen und Vorführen gewürgt wurden – auch wenn dies mit dem Anwendungsverbot für Würgehalsbänder und Leinen ohne Stopp primär ja verhindert werden sollte. Zahlreiche Beispiele wurden im Bericht mit Fotos dokumentiert. Grundsätzlich scheint für die Problematik noch zu wenig Sensibilität seitens der Aussteller – aber leider auch der Richter – vorhanden zu sein.

Einmal mehr deutlich wurde, dass Verbote nichts bringen, wenn nicht auch gleichzeitig deren Einhaltung eingefordert wird. So leidet die Glaubwürdigkeit der Organisatoren, gerade auch gegenüber den Aussteller- und ZüchterInnen: Der Einsatz von Würgehalsbändern und Vorführleinen ohne Stopp sowie das übermässige, über das Bürsten und Kämmen hinausgehende, Zurechtmachen waren zwar explizit verboten – es hatte aber kaum Konsequenzen zur Folge, wenn diese Vorschriften missachtet wurden. Trotz regelmässiger Kontrollen durch einige Personen vor Ort, schien es nach wie vor so, dass diese zu wenig griffen bzw. nicht ernst genug genommen wurden. Sehr deutlich zeigte sich das im Verbot des Einsatzes von Würgehalsbändern und Leinen ohne Stopp: Zum einen setzten sich viele Aussteller am und im Ring schlichtweg darüber hinweg, zum anderen wurden viele Hunde einfach durch zu enge Stoppvorrichtungen, starken Zug und Hochzerren mit der Leine gewürgt. Die Vorschriften müssten deshalb konsequent dahingehend kontrolliert werden, dass explizit das enge Führen mittels Halsband und Leine (auch mit Stoppvorrichtung) sowie das Würgen von Hunden unterbunden wird. Der Schweizer Tierschutz STS fordert deshalb, dass die Organisatoren und auch die Richter und Richterinnen das Einhalten der Tierschutzbestimmungen und des Ausstellungsreglements strenger kontrollieren und bei Verstössen auch entsprechend sanktionieren.

Zudem sehen wir die RichterInnen auch in der Verantwortung mit ihren Beurteilungen die erkennbaren Extremzuchtmerkmale stärker auszuselektieren. Nach wie vor besteht hier grosser Handlungsbedarf. Denn nur so kann nachhaltig gewährleistet werden, dass gesunde, nicht durch züchterische Extravaganzen vorbelastete Tiere nachgezüchtet werden.

Den Ausstellungsverantwortlichen und RichterInnen kommt hier eine grosse Verantwortung und Vorbildfunktion zuteil. Beides muss noch besser wahrgenommen werden – denn leider konnte auch in Genf vielfach beobachtet werden, dass Hunde mit Extremzuchtmerkmalen sogar als Klassenbeste prämiert wurden und dadurch offensichtlichen Gesundheitsbeeinträchtigungen Vorschub geleistet wurde. Der STS wünscht sich von der Branche ein einheitliches, auf die Verordnung Tierschutz beim Züchten abgestütztes Vorgehen, damit die Rassezucht wieder gesünder und am Wohlbefinden des (4-beinigen) Individuums ausgerichtet wird.

Kritik möchte der STS auch hinsichtlich der Vergabe des Swiss Top Dog Awards an eine professionelle Vorführerin (professional handler) aussprechen. Solche HandlerInnen richten Hunde im Auftrag der Halter oder Züchter professionell her und präsentieren sie den Richtern im Ring. Meist führen sie eine grössere Anzahl Hunde mit sich. Gemäss unserer Beobachtungen verwenden sie beim Zurechtmachen der Hunde auch Galgen und auffällig oft verbotene Hilfsmittel wie Sprays und Puder. Der Umgang mit den ihnen anvertrauten Tieren ist bestenfalls neutral, selten freundlich und oftmals sogar recht grob. Zu allem Überdruss, werden solche HandlerInnen für ihr regelwidriges Verhalten auch noch häufig belohnt: nicht selten werden gerade «ihre» Hunde und Vorführungen prämiert. Der STS fordert gerade beim professionellen Handling die zweifelsfreie Anerkennung und Ausführung der gesetzlichen Vorgaben an Ausstellungen sowie einen tierfreundlichen und verantwortungsbewussten Umgang mit den Hunden. Alles andere wäre in unseren Augen eben gerade nicht professionell.