STS-Report Tierausstellungen 2017

Internationale Hundeausstellung Aarau

[ 24. und 25. Juni 2017, besucht am 24. Juni 2017 ]
Eine Ausstellung unter freiem Himmel bietet den Hunden mehr Platz und somit auch ausreichend Individualdistanz und Rückzug voneinander, was weniger Belastung für die Hunde bedeutet. Das grosse Gelände bot die Möglichkeit, mit den Hunden Spaziergänge zu unternehmen und hatte zudem einen positiven Einfluss auf die hygienischen Bedingungen an der Ausstellung (z. B. weniger Kot- und Uringestank). Allerdings waren die Temperaturen für einen Grossteil der Hunde mit 27 Grad Celsius zu hoch – darunter litten besonders diejenigen Hunderassen, welche wegen Überzüchtung ohnehin häufig mit Atemwegsproblemen zu kämpfen haben, wie zum Beispiel Möpse und Bulldoggen, oder die viel Fell und lange Haare aufweisen, wie beispielsweise Huskys, Chow Chows, Bernhardiner und Leonberger. Im Richterring gab es keinerlei Schatten für die Tiere, was eine zusätzliche Belastung darstellte. Hier stellte sich für den STS auch die Frage, wie die Aussteller und Organisatoren wohl auf noch höhere Temperaturen reagiert hätten? Denn diese hätten für manche Hunde gar lebensgefährlich werden können. Bei Ausstellungen im Freien sollten Aussteller bereits mit der Anmeldung auf den benötigten Witterungsschutz aufmerksam gemacht werden und Kontrolleure sollten ihr Augenmerk während der Ausstellung vermehrt darauf richten.

Der vielfach wenig tierfreundliche Umgang durch die HalterInnen an der Hundeausstellung in Aarau (Einsatz von Galgen, Scheren, Sprayen, Einflechten, Würgen, Zerren etc.) zeigte klar, dass Ehrgeiz und Zuchterfolg häufig über das Tierwohl gestellt werden. Weder RichterInnen noch Ausstellungsverantwortliche sprachen aber hierfür Verwarnungen oder Ausschlüsse aus, so unsere Beobachtungen.

Für den STS ist es schwer nachvollziehbar, weshalb die Verstösse gegen das Ausstellungsreglement und die Tierschutzverordnung seitens der Organisatoren vielfach ignoriert wurden – begann die Nichtbeachtung der Bestimmungen doch bereits beim Einlass von Hunden mit den deutlich erkennbaren Zugleinen und Halsbändern ohne Stoppvorrichtungen!

Der Schweizer Tierschutz STS fordert von den RichterInnen ein konsequentes Durchgreifen: Die Leitlinie «NO POWDER, NO SPRAY, NO PROBLEM» sowie das verbotene Würgen mit Zughalsbändern und Showleinen müssen auch am und im Ring Beachtung finden und entsprechend sanktioniert werden.

Zudem dürfen Hunde, welche offensichtliche gesundheitsbeeinträchtigende Zuchtmerkmale mitbringen, über- oder untergewichtig sind oder Problemverhalten zeigen, aus Sicht des Tierschutzes und im Sinne der Verordnung «Tierschutz beim Züchten» nicht prämiert werden. Sie müssten im Gegenteil zurückgestellt und/oder disqualifiziert werden.