STS-Report Tier- und Viehausstellungen 2018

Internationale Hundeausstellung Aarau

[ 23. und 24. Juni 2018, besucht am 23. Juni 2018 ]
Eine Ausstellung unter freiem Himmel im Grünen abzuhalten, bietet für die Hunde und ihre Halter bzw. Aussteller eine Vielzahl von Vorteilen. Es steht ihnen mehr Platz zur Verfügung, so dass sie sich mit ausreichend Individualabstand zu ihren Artgenossen aufhalten können, und die grüne Umgebung ermöglicht abwechslungsreiche Spaziergänge und Entspannung an den anstrengenden Ausstellungstagen. Umso bedauerlicher ist es, dass längst nicht alle Hunde von diesen Vorzügen profitieren konnten und den Ausstellungstag mehrheitlich in engen Käfigen oder Transportboxen verbringen mussten.

Positiv erwähnt werden können diejenigen Hundehalter, die ihre Tiere immer bei sich hatten, sich fürsorglich um sie kümmerten, mit ihnen spielten und ihnen Streicheleinheiten zukommen liessen. Der Anblick dieser entspannten, freundschaftlichen Mensch-Hund-Beziehungen war aus Sicht des STS der positivste und überzeugendste Eindruck.

Eines der grossen leidigen Themen bei Ausstellungen ist und bleibt das Würgen der Hunde beim Vorführen – aber auch beim Zurechtmachen. Per Gesetz ist in der Schweiz die Anwendung von Zugleinen und Würgehalsbändern ohne Stopp verboten. Die Organisatoren haben also die Pflicht Verstösse gegen diese gesetzlichen Vorgaben zu unterbinden. Durch Kontrollen am Eingang und auch durch Hinweise bei der Anmeldung wurde versucht das Problem besser in den Griff zu bekommen. Bei der grossen Anzahl von Hunden sicher kein leichtes Unterfangen. Verstärkt müssen aber auch die Richter in die Pflicht genommen werden. Ein kurzer Blick auf das verwendete Halsband oder die verwendete Leine würde kaum Zeit in Anspruch nehmen und gehört zudem mit der Beurteilung des Hundes ins Pflichtenheft. Wie bereits mehrfach vom STS moniert reicht das Verbieten der nicht tierschutzkonformen Leinen und Halsbänder aber bei weitem nicht aus. Stopps können so eng eingestellt oder im entscheidenden Moment im Ring enger gestellt werden, dass sie für den Hund keinerlei schützende Funktion mehr haben. Ausserdem lässt sich jeder Hund mit genügend Zug an der Leine nach oben würgen, unabhängig davon, welches Material verwendet wird. Die Belastung, die dies für die Hunde bedeutet, darf indessen aber nicht unterschätzt werden. Die meist dünnen Halsbänder, die oft auch noch weit nach oben (direkt hinter die Ohren und über den Kehlkopf) geschoben werden, üben grossen Druck auf die empfindlichen Körperstellen aus, führen zu Atemnot und Angst sowie zu Schmerzen im Halsbereich, was, wie wir häufig vor Ort beobachten können, bis hin zum Würgen, Husten und Erbrechen führt.

Wenn auch tendenziell etwas abgeschwächt, bleibt doch das Zurechtmachen der Hunde aus Tierschutzsicht vielfach problematisch. Hierbei gibt es allerdings rassebedingte Unterschiede. Gerade langhaarige Rassen oder Rassen mit aufwendig gestylten Frisuren müssen oft sehr lange «Verschönerungsprozeduren» über sich ergehen lassen, bei denen sie lange still stehen müssen. Damit dies gelingt, werden sie nicht selten mit Würgen oder groben Handgriffen und Methoden dazu gezwungen. In diesem Zusammenhang müssen einmal mehr die professionellen Vorführer (professional handler) erwähnt werden, die Hunde im Auftrag der Halter oder Züchter professionell herrichten und den Richtern im Ring präsentieren. Meist führen sie eine grössere Anzahl Hunde mit sich. Auffällig oft verwenden sie beim Zurechtmachen der Hunde Galgen und verbotene Hilfsmittel wie Spray und Puder. Der Umgang mit den ihnen anvertrauten Tieren ist bestenfalls neutral, selten freundlich und oftmals sogar recht grob. Sehr häufig verbringen solche Hunde auch den grössten Teil des Tages in engen Transportkäfigen. Zu allem Überdruss, werden sie für ihr regelwidriges Verhalten auch noch häufig belohnt: nicht selten werden gerade «ihre» Hunde und Vorführungen prämiert. Die von den Organisatoren eingesetzten Kontrolleure sollten daher verstärkt ein Augenmerk auf dieses professionalisierte Treiben richten. Wichtig wäre hierbei insbesondere, dass nebst dem Gebot verwendete Galgen unverzüglich abzubauen, auch noch weitere Kontrollen erfolgen und darauf hingewiesen wird, dass auch das Würgen ohne Galgen nicht erlaubt ist.

Keinerlei positive Entwicklung ist im Bereich der Präsentation von Rassen oder Rassevertretern festzustellen, die der Extremzucht zuzuordnen sind. Weiterhin werden Hunde mit offensichtlichen gesundheitsbeeinträchtigenden Zuchtmerkmalen ausgestellt und nicht selten leider auch prämiert. Hier müssen die Ausstellungsverantwortlichen ihre Verantwortung unbedingt besser wahrnehmen und eine Vorbildfunktion einnehmen. Denn ein Besucher, der sich auf einer Ausstellung nach einem potentiell für ihn in Frage kommenden Hund umschaut, wird wohl davon ausgehen, dass die an der Ausstellung gezeigten Rassen unproblematisch und gesund sind und er sich bedenkenlos ein solches Tier anschaffen kann. Und dies ist leider, so wie sich im Moment gewisse Rassen präsentieren, keineswegs der Fall. Hier besteht aus Sicht des STS also noch ganz erheblicher Verbesserungsbedarf.