STS-Report Tier- und Viehausstellungen 2018

2. Bündner Zierfisch-, Korallen- und Wasserpflanzenbörse

[ 25. November 2018 ]
Tierbörsen sind gemäss Art. 104 Tierschutzverordnung (TSchV) bewilligungspflichtig, wobei die Bewilligung mit Auflagen verbunden ist. Den für die Veranstaltung verantwortlichen Personen wird empfohlen, die Auflagen der Bewilligung in ein Veranstaltungsreglement zu integrieren.

Solche Veranstaltungsreglements bestehen mittlerweile an vielen Tierbörsen, so auch in Domat / Ems. Sie enthalten zumeist Richtlinien zur Mindestgrösse, Einrichtung, Einsichtigkeit und Beschriftung der Behälter, wobei sich die Vorschriften je nach Börse unterscheiden.

Leider werden diese Regeln gemäss den Beobachtungen des STS noch zu selten umgesetzt und überwacht. Auch in Domat / Ems musste anhand verschiedener Beispiele festgehalten werden, dass Teile der Börsenordnung wiederholt ignoriert wurden – ohne dass die Veranstalter eingriffen. Mangelhaft funktionierende Kontrollinstanzen hebeln die Tierschutzbestimmungen aus, was aus Sicht des STS nicht toleriert werden kann. Wir fordern deshalb eine systematische Kontrolle durch den Veterinärdienst sowie durch die Veranstalter vor und während der Börsen. Verkäufer, welche den Bestimmungen nicht nachkommen, sollen konsequent abgemahnt und bei wiederholten Verstössen ausgeschlossen werden. Und Börsen, bei welchen das Börsenreglement nicht umgesetzt und kontrolliert wird, sollten von den Veterinärämtern zukünftig nicht mehr bewilligt werden!

Seit März 2018 definiert die TSchV weiterführende Vorschriften zum Umgang mit Tieren an Veranstaltungen. Anlässlich von kurz dauernden Veranstaltungen dürfen die für Gehege vorgeschriebenen Mindestmasse demnach leichtgradig unterschritten werden, solange dies mit den vom Veterinäramt erteilten Bewilligungsauflagen zu vereinbaren ist. Die Einrichtungs- und Beleuchtungsvorschriften sowie die klimatischen Mindestvoraussetzungen (Wassertemperatur) der TSchV gelten hingegen unabhängig von der Dauer einer Veranstaltung.

Die Umstände an Börsen unterscheiden sich teilweise von denen an eigentlichen Tierausstellungen, da es sich dabei nicht nur um das Ausstellen, sondern auch um den Verkauf von Tieren handelt. Aus diesem Grund, und auch weil der STS an Börsen immer wieder die fehlenden Kontrollen und die mangelhafte Umsetzung der Vorschriften feststellen muss, wäre es hilfreich, schweizweit geltende Bestimmungen für die Ausstellung und den Verkauf von Fischen und aquatischen Wirbellosen an Börsen zu erlassen.

In Domat / Ems fanden sich einige zufriedenstellende Haltungen, welche auch die gesetzlichen Auflagen erfüllten. Insgesamt gestaltete sich die Haltung der Tiere aber wenig tierfreundlich. Insbesondere hinsichtlich der Einsehbarkeit der Behälter, der Einrichtungen sowie teilweise auch der Behältergrössen besteht noch Verbesserungsbedarf. Der STS vertritt die Ansicht, dass die Behälter nur von einer Seite her einsehbar sein dürfen, dass also mindestens zwei angrenzende Seiten blickdicht sein müssen. Gemäss TSchV und auch aus Sicht des STS müssen in allen Behältern zudem im Minimum Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sein. Der Stressreduktion sollte grösstmögliche Priorität eingeräumt werden. Tiere, für welche die kleinen Behälter eine offensichtliche Stressbelastung darstellen, müssen zwingend in grössere Aquarien verbracht werden (TSchV Art 30a Abs. 1 lit. c).

Auch auf die Informationsvermittlung muss grossen Wert gelegt werden, da ausreichende Kenntnisse des Besitzers den Grundstein für eine tierfreundliche Haltung darstellen. Es ist folglich unbedingt notwendig, die Käufer schriftlich über die Tiere, deren Bedürfnisse und die korrekte Haltung zu informieren. Hierfür sollen die Behälter mit vollständigen Angaben über die darin untergebrachten Tiere (Artname deutsch und wissenschaftlich, Alter, erforderliche Beckengrösse, erforderliche Wasserparameter, Endgrösse des Tieres, Herkunft, Schutzstatus, allfällige Bewilligungspflicht) versehen sein. Weiter ist aus Sicht des STS eine Abgabe von Informationsblättern oder -broschüren, welche über die Bedürfnisse der Tiere, die tiergerechte Haltung und die Rechtsvorschriften aufklären, vonnöten. Eine derartige Abgabe ist gemäss Art. 111 TSchV beim gewerbsmässigen Verkauf von Tieren sowieso gesetzlich vorgeschrieben.

Der STS ist ferner der Ansicht, dass an Börsen stets auch tierfreundlich ausgestattete Schauaquarien installiert sein sollten. Ideal wären verschiedene Artenbecken. Dies kann bei kleineren Börsen auch mittels Fotos oder Filmen veranschaulicht werden. Solche Aquarien weisen grosszügige Platzverhältnisse und eine tiergerechte Einrichtung auf; sie dienen somit als Positivbeispiele, welche den Unterschied zwischen temporären Verkaufsbedingungen und permanenter Haltung zu Hause verdeutlichen. In Domat / Ems wurden Filme mit Haltungs- und Einrichtungsvorschlägen über einen Bildschirm am Eingang vermittelt.