STS-Report Tierausstellungen 2017
Zusammenfassung

2017 wurden von den Fachleuten des Schweizer Tierschutz STS fünfzehn Tierausstellungen von internationaler und nationaler Bedeutung besucht. Darunter fünf grosse Publikumsmessen (LUGA, BEA, HIGA, Comptoir Suisse, OLMA), drei Kuhausstellungen, jeweils zwei Hunde- und Katzenausstellungen sowie eine Sing- und Ziervogelausstellung, eine Reptilienbörse und eine Kaninchenausstellung.

Aufgrund unserer letzten Recherchen und Empfehlungen wurden auf einigen Tierausstellungen Verbesserungen umgesetzt und teils vorbildliche Stallsysteme und Tierhaltungen dokumentiert. So konnten sich Besucher an der LUGA und BEA beispielsweise Eindrücke vorbildlicher Kleintierhaltungen verschaffen. Hier durften Vögel zwanglos im Freiflug beobachtet werden und es wurden artgerechte und abwechslungsreiche Meerschweinchen- und Kaninchengruppenhaltungen mit Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten gezeigt. Auch die Ziervogel- und Taubenvolieren waren bedürfnisgerecht und teils deutlich über die Mindestbestimmungen der Tierschutzverordnung hinaus ausgestattet.

Sehr positiv wurden von uns abwechslungsreiche Gehege mit verschiedenen Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten sowie Einschränkungen an der Zugänglichkeit zu den Gehegen, Volieren und den ausgestellten Tieren beurteilt. Beispielsweise waren an der LUGA die Schafe und Mastschweine nur mehr von einer Seite für das Publikum zugänglich und in der Kleintierhalle versuchte man, die Besucher zum Wohl der Tiere mit Absperrungen und Dekorationen auf Minimaldistanz zu halten. Hier zeigte sich die BEA z. B. sehr tierfreundlich: Der Grossteil der Kühe konnte durch dekorativ angebrachte Blumenkästen und Abschrankungen nicht mehr ständig von Zuschauern berührt werden und die Schafe hatten einen Unterstand mit Sichtschutz, den sie rege nutzten. Am Comptoir Suisse konnten die angebundenen Kühe und der Stier nicht mehr von den Besuchern berührt werden, was positiv bewertet wurde.

Vorbildlich war an der BEA, wie auch bereits im letzten Jahr, die tiergerecht ausgestattete Familiengruppenhaltung der Schweine inkl. Suhlmöglichkeit. Es ist uns seitens STS wohl bewusst, dass Schweine vermutlich nur an wenigen Orten so schöne Haltungsbedingungen vorfinden. Aber es liegt uns viel daran, dass dem interessierten Publikum von den Veranstaltern und Ausstellern solche «Parade-Beispiele» zur Orientierung und Sensibilisierung der Besucher aufgezeigt werden. Auch die OLMA und der Comptoir Suisse präsentierten in diesem Sinne vorbildlich strukturierte Ziegengehege mit von den Tieren gerne genutzten Rückzugs-, Ruhe- und Kletterbereichen. Ebenso durften sich die Kaninchen an der OLMA in der Gruppe mit viel Platz, Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten präsentieren.

Obwohl eigentlich die meisten Tierausstellungen ihre «Tierhaltungs-Highlights» haben und sich sichtlich um Verbesserungen beim Tierwohl bemühen, gibt es leider in Bezug auf konsequent tierfreundliche Haltung und den Umgang mit den Tieren sowie hinsichtlich der Einhaltung der Tierschutzbestimmungen immer wieder Anlass für Kritik. Beispielsweise stellen wir bei vielen Tierhaltungen an Ausstellungen fehlende Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten fest, so etwa bei den Muttersäuen mit ihren Ferkeln an der OLMA und der BEA. Oder wir beobachten Pferde, Esel und Ponys, die tagelang in ihren von mehreren Seiten einsehbaren Boxen oder Gehegen stehen, teils auch alleine. Ihnen fehlen meist Rückzugsmöglichkeiten bzw. Sichtschutz, der tägliche Auslauf und die Beschäftigung. Zwar sind die Boxen in der Regel grosszügig eingestreut und die Tiere allesamt gut gepflegt. Es fehlen ihnen aber oft Sozialkontakte zu Artgenossen und vor allem ausreichend Bewegung und Beschäftigung. Manche Pferde durften sich wenigstens mit Heu-Toys oder Futterbällen beschäftigen (OLMA, BEA) oder hatten im Aussengelände Bewegungsmöglichkeiten und Sozialkontakte (BEA). Einige Gehege und Boxen waren leider so angelegt, dass die Tiere nicht ungestört fressen konnten. So etwa am Comptoir Suisse, wo die Ponys nicht fressen konnten, ohne dabei gleichzeitig auch gestreichelt zu werden.

Besonders «eng» wurde es oft in den Streichelzoos. Zwar wurden Kritikpunkte hier bereits positiv aufgenommen und umgesetzt (vermehrte Rückzugsmöglichkeiten, regulierter Zugangsbereich, Mittagspausen/ Auszeiten, anwesendes Fachpersonal etc.). Häufig sind Streichelzoos aber so eingerichtet, dass die Tiere Kindern und Streichelhänden gar nicht ausweichen können und mit reduzierten Gehegestrukturen und wenig «Auszeiten» auskommen müssen. Tiergerechte Rückzugsbereiche und Ruhezonen im Streichelzoobereich zeigte heuer die BEA, allerdings fehlten bei den Ziegen Regulation und Aufsicht in der Streichelzone. Diese wurde zweckentfremdet und von den Kindern als Spielplatz genutzt. Ebenso wurden an der LUGA die Rückzugsbereiche teils zu wenig respektiert. So konnte beobachtet werden, dass die Hühner aus ihrem Rückzugsbereich getrieben wurden und die Absperrungen der Rückzugsbereiche zu wenig effizient waren.

Als sehr kritisch und in einigen Fällen auch gesetzeswidrig beurteilte der STS die an einigen (auch mehrtägigen) Ausstellungen gezeigte Haltung von Vögeln, Kaninchen und Reptilien. Angefangen bei der Verwendung zu kleiner Käfige (Kantonale Rammlerschau beider Basel, Exposition nationale Paires), über verbreitete Einzelhaltung sozial lebender Tierarten wie beispielsweise Kaninchen und Lärmbelastungen durch laute Musik, Lautsprecherdurchsagen oder Kindergeschrei (Kantonale Rammlerschau, Comptoir Suisse) bis hin zu kargen, unzureichenden Käfig-/Gehegeausstattungen und -strukturen bei der Haltung von Kaninchen, Enten, Gänsen, Hühnern, Zier- und Singvögeln sowie Reptilien (Kantonale Rammlerschau beider Basel, Comptoir Suisse, Exposition nationale Paires, Reptilienbörse), hinterlassen gerade diese Kleintierausstellungen ein stark verbesserungswürdiges Bild. Den Kaninchen an der Rammmlerschau beider Basel fehlte zum Teil sogar das Trinkwasser. Vögel und kleine Heimtiere verhalten sich häufig scheu, schreckhaft und lärmempfindlich, auch wenn sie die Gesellschaft des Menschen gewohnt sind. Insbesondere die Situation an Ausstellungen, in der sie von hunderten Besuchern angeschaut, beobachtet, bedrängt und zum Teil auch berührt werden, dürfte für die fluchtbereiten Tiere belastend sein. Können sie sich zudem kaum schützen und zurückziehen, sind sie um ein Vielfaches stärker belastet. Daher begrüsst der STS auch Vorkehrungen, die die Distanz zwischen Besuchern und ausgestelltem Tier wahren (z. B. in Form von Absperrungen, Rückzugsmöglichkeiten, Sichtschutz).

Auch an der Reptilienbörse Aqua Terra waren die Ausstellungsbedingungen für viele Tiere nicht tiergerecht. So waren die Behältnisse zum Teil zu klein und kaum strukturiert. Es fehlten häufig Substrate und Rückzugsmöglichkeiten, bei manchen auch das Trinkwasser. Zudem stand den Tieren in den Kunststoffbehältern kein optimales Klima zur Verfügung.

An den Hunde- und Katzenausstellungen konnten kleine Verbesserungen hinsichtlich der Häufigkeit des übermässigen Zurechtmachens festgehalten werden. Ansonsten bot sich den Besuchern mehr oder weniger das gleiche Bild wie in den Jahren davor: strapazierte Tiere durch Hochzerren und Würgen an Leinen und Halsbändern, unzureichende Platzverhältnisse und zahlreiche durch extreme Zuchtmerkmale belastete Hunde und Katzen wie z. B. ausgeprägt kurzköpfige Tiere, mit vielen Falten, fehlender oder kurzer Rute sowie Nacktformen.

Bei den zwei in der Schweiz besuchten Kuhausstellungen (Swiss Expo Lausanne und Tier & Technik St. Gallen) stach vor allem die Swiss Expo negativ hervor: Züchter und Aussteller versuchten sich gegenseitig im Wettbewerb auf Kosten ihrer gutmütigen Tiere zu übervorteilen. Je grösser und voller das Euter, desto sicherer der Sieg, was sich mit den Prämierungen bestätigte. Bei kaum einer Kuh wurden die gewohnten Zwischenmelkintervalle von 12 Std. eingehalten, fast alle Kühe hatten verklebte Zitzen, um den Milchfluss zu stoppen, und mussten mit angeschwollenen, harten, zum Bersten gefüllten Eutern in die Arena. Die meisten konnten deswegen kaum normal gehen und das übermässige Zurechtmachen mit Lack, Gel, Spray und Puder inklusive Abrasur der Tasthaare an Maul und Augenbrauen belastete die Tiere zusätzlich. Die gezeigten Prozeduren verstossen aus Sicht des Tierschutzes nicht nur in vielerlei Hinsicht gegen die gesetzlichen Bestimmungen und Reglemente, sondern sind in höchstem Masse Ausdruck profitorientierter Zucht und Haltung, ohne Rücksicht auf Tierwohl und -gesundheit.

Die grosse Ausnahme bei den Milchviehwettbewerben war die Nacht der Holsteins in Buchloe (DE), an der gemäss Schaureglement ein Melkintervall von maximal 12 Stunden eingehalten werden musste, das Versiegeln und Verkleben der Zitzen explizit untersagt und sowohl das Anwenden als auch das Mitführen von Medikamenten verboten war. Zudem wurde das Stylen der Topline als nicht notwendig deklariert, weshalb sich das übermässige Zurechtmachen der Tiere nicht durchsetzte und zu ihren Gunsten vernachlässigt wurde. Die Veranstaltung wurde ohne Tierleid – und trotz Milchfluss einiger Kühe – weitestgehend tierfreundlich durchgeführt. Schweizer Veranstalter und Aussteller sollten sich aus Sicht des Tierschutzes daran orientieren.

An einigen Ausstellungen ist dem STS auch in diesem Jahr ein teilweise grober, rücksichtsloser Umgang mit den ausgestellten bzw. vorgeführten Tieren aufgefallen. Wir appellieren daher, bei den Präsentationen darauf zu achten, dass alle Tiere korrekt und mit der nötigen Geduld vorgestellt werden. Bei den Vorführungen ist regelmässig mit einem grossen, teils weniger erfahrenen Publikum zu rechnen und die verschiedenen Präsentationen dürfen nicht dazu führen, dass schlechte Beispiele kritiklos übernommen werden. Auf tierquälerische Auswüchse muss zwingend verzichtet werden – nicht nur aus gesetzlicher Sicht, sondern auch wegen der Verantwortung gegenüber dem anvertrauten Tier sowie dem Beispielcharakter, den Tier-Präsentationen vor Publikum grundsätzlich mit sich bringen.