Tier- und Viehausstellungen 2018
Zusammenfassung

2018 wurden von den Fachleuten des Schweizer Tierschutz STS gesamt fünfzehn nationale und internationale Tierausstellungen besucht. Darunter vier grosse Publikumsmessen (LUGA, BEA, Comptoir Suisse, OLMA), drei Kuhausstellungen (Swiss Expo Lausanne, Tier & Technik St.Gallen, Expo Bulle), jeweils zwei Hunde- und Katzenausstellungen sowie eine grosse Kleintier-Ausstellung mit über 10`000 Tieren in Fribourg, darunter viele Singvögel, Tauben, Geflügel, Kaninchen, Meerschweinchen und Zwergziegen. Auch zwei Reptilienbörsen und eine Zierfisch-, Korallen- und Wasserpflanzenbörse wurden begutachtet.

Verbesserungen bei Beschäftigung, Rückzug, Sichtschutz und Gehegegestaltung
Aufgrund unserer letzten Recherchen und Empfehlungen wurden auf einigen Tierausstellungen Verbesserungen umgesetzt und teils vorbildliche Stallsysteme und Tierhaltungen dokumentiert. So wurden beispielsweise den Besuchern an der LUGA, BEA und OLMA vorbildliche Gruppenhaltungen von Schafen, Schweinen, Ziegen, Kaninchen, Meerschweinchen und Ziervögeln gezeigt. Man konnte Vögel zwanglos im Freiflug beobachten und es wurden mehrheitlich artgerechte und abwechslungsreiche Kleintiergruppenhaltungen mit Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten gezeigt. Mehrere Volieren und Gehege waren bedürfnisgerecht und teils deutlich über die Mindestbestimmungen der Tierschutzverordnung hinaus ausgestattet, z. B. die Taubenvoliere an der LUGA, die Freiflughalle der Ziervögel und die «Familien»-Schweinehaltung an der BEA sowie die Meerschweinchenhaltung an der OLMA.
Sehr positiv wurden von uns strukturreiche Gehege mit verschiedenen Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten sowie funktionelle Abschrankungen zu den Gehegen, Volieren und ausgestellten Tieren beurteilt. Beispielsweise gab es für die Schafe an der OLMA mehr Rückzugsmöglichkeit, letztlich auch durch eine geringere Besatzdichte und an der LUGA konnten sich die Kaninchen in ihrem Gehege vorbildlich zurückziehen. Sie zeigten sich durch die abwechslungsreiche Gehegegestaltung zudem beschäftigt und zufrieden. Die LUGA und BEA waren ebenfalls bei einigen Tierhaltungen positiv aufgefallen mit mehr Sichtschutz, Rückzug und Besucherdistanz im Vergleich zum Vorjahr. An der BEA konnte ein Grossteil der Kühe durch dekorativ angebrachte Blumenkästen und Abschrankungen nicht von Zuschauern berührt werden und auch die Absperrungen aus Gittern und Holzzäunen bei den Mutterkühen und Meerschweinchen sorgten vor Ort für die nötige Distanz zu den Besuchern. Am Comptoir Suisse konnten wesentliche Verbesserungen in der Kleintierhalle festgehalten werden. Hier galt das Motto: Qualität vor Quantität. Es wurden weniger Tiere ausgestellt in mehrheitlich gut strukturierten, tierfreundlich ausgestatteten Gehegen, beispielsweise in der Kaninchengruppenhaltung.

Vorbildliche Gruppenhaltung bei Schweinen und Ziegen
Vorbildlich war an der BEA, wie auch bereits in den beiden letzten Jahren, die tiergerecht ausgestattete Familiengruppenhaltung der Schweine inkl. Suhlmöglichkeit. Es ist uns seitens STS wohl bewusst, dass Schweine vermutlich nur an wenigen Orten so schöne Haltungsbedingungen vorfinden. Aber es liegt uns viel daran, dass dem interessierten Publikum von den Veranstaltern und Ausstellern solche «Parade-Beispiele» zur Orientierung und Sensibilisierung aufgezeigt werden. Auch die OLMA präsentierte in diesem Sinne ein vorbildlich strukturiertes Ziegengehege mit von den Tieren gerne genutzten Rückzugs-, Ruhe- und Kletterbereichen. Highlight hier war dieses Jahr die Heukiste als zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeit.

Kleine Verbesserungen auch bei den Standard-Abferkelbuchten
Sowohl an der BEA als auch an der OLMA gab es auch kleinere Verbesserungen bei den Standard-Abferkelbuchten: Diese waren nur mehr von 2 Seiten für die Zuschauer zugänglich. An der BEA fehlten der Muttersau und den Ferkeln aber Platz und Rückzugsmöglichkeiten – an der OLMA wurde das besser gelöst: Den Muttertieren standen mehr Platz und Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung, die rege genutzt wurden.

Fehlender Platz und Rückzug, zu wenig Struktur und Beschäftigungsmöglichkeiten, fehlender Auslauf und Langeweile bei den Pferden
Obwohl alle besuchten Tierausstellungen einige «Tierhaltungs-Highlights» aufzeigen konnten und sie sich mehrheitlich und sichtlich um Verbesserungen beim Tierwohl bemühten, gab es leider trotzdem immer wieder Anlass zur Kritik, beispielsweise in Bezug auf wenig tierfreundlich und bedürfnisgerecht ausgestattete Gehege und Haltungsformen wie auch im Umgang mit den Tieren sowie hinsichtlich der Einhaltung der Tierschutzbestimmungen. Wir stellten bei einigen Tierhaltungen an den Ausstellungen fehlende Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten fest. Nebst den beengten Platzverhältnissen und fehlenden Rückzugsmöglichkeiten für die Muttersau und ihre Ferkel an der BEA wies auch die Aussen-Kaninchenhaltung Mängel auf: zwar gab es dort ein grosszügiges Platzangebot, es fehlten aber bedürfnisgerechte Strukturelemente für Beschäftigung und Sichtschutz.
Auch bei der Pferdehaltung ist an den Ausstellungen aus unserer Sicht noch viel Luft nach oben, angefangen bei der wenig artgerechten Haltung, in der die Tiere tagelang in ihren von mehreren Seiten einsehbaren Boxen oder Gehegen stehen müssen und sich Probleme mit dem Individualabstand zu den Besuchern, Artgenossen oder auch anderen Tieren zeigten, wie etwa an der OLMA. Gerade den Pferden fehlen vielfach die Rückzugsmöglichkeiten bzw. der Sichtschutz, der tägliche Auslauf und die Beschäftigung. Zwar sind die Boxen in der Regel grosszügig eingestreut und die Tiere allesamt gut gepflegt. Es fehlen ihnen aber trotzdem oft Sozialkontakte und vor allem ausreichend Bewegung, so z. B. auch an der LUGA. Manche Pferde durften sich wenigstens mit Heu-Toys oder Futter- und Spielbällen (Comptoir Suisse) beschäftigen oder hatten im Aussengelände Bewegungsmöglichkeiten und Sozialkontakte (BEA und OLMA). Manche hatten aber auch zu wenig Platz, wie etwa 2 Shetlandponys oder mussten sich alleine, ohne «Gschpänli» die Zeit vertreiben, wie z. B. eine Burenziege (beides am Comptoir Suisse).

Immer noch viel Verbesserungsbedarf in den Streichelzoos
Besonders «eng» wurde es oft in den Streichelzoos. Zwar wurden Kritikpunkte hier aus den Vorjahren bereits positiv aufgenommen und umgesetzt (vermehrte Rückzugsmöglichkeiten, regulierter Zugangsbereich, Mittagspausen/Auszeiten, anwesendes Fachpersonal etc.). Häufig sind die Streichelzoos aber so eingerichtet, dass die Tiere Kindern und Streichelhänden gar nicht ausweichen können und mit reduzierten Gehegestrukturen und wenig «Auszeiten» auskommen müssen. Tiergerechte Rückzugsbereiche und Ruhezonen im Streichelzoobereich zeigten heuer LUGA und BEA, allerdings fehlten beim Streichelhof der Ferkel an der BEA Regulation und Aufsicht in der Streichelzone. Der Rückzugsbereich wurde dort zu wenig respektiert, die dicht beieinander liegenden Ferkel wurden insbesondere von den Kindern stark bedrängt.

Verbesserungsbedarf bei Reptilien-, Kleintier- und Federviehhaltungen
Als sehr kritisch und in einigen Fällen auch gesetzeswidrig beurteilte der STS die an einigen (auch mehrtägigen) Ausstellungen gezeigte Haltung von Enten, Gänsen, Hühnern, Küken, Wachteln, Meerschweinchen und Reptilien. Zwar fielen kaum mehr zu kleine Käfige auf und auch die Einzelhaltung sozial lebender Tierarten war bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr so verbreitet, jedoch gab es immer noch einige Beispiele mit zu kargen, unzureichenden Käfig- bzw. Gehegeausstattungen und -strukturen und es fehlten vielerorts Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten sowie Sichtschutz. Gerade einige Kleintier- und Federviehhaltungen haben hier noch viel Potential. Wenig Rücksicht wurde zum Teil auch den arttypischen Verhaltensweisen der Tiere beigemessen: Vögel, Geflügel und kleine Heimtiere verhalten sich häufig scheu, schreckhaft und lärmempfindlich, auch wenn sie die Gesellschaft des Menschen gewohnt sind. Insbesondere die Situation an Ausstellungen, in der sie von hunderten Besuchern angeschaut, beobachtet, bedrängt und zum Teil auch berührt werden, dürfte für die fluchtbereiten Tiere belastend sein. Können sie sich zudem kaum schützen und zurückziehen, sind sie um ein Vielfaches stärker belastet. Daher begrüsst der STS auch Vorkehrungen mancher Veranstalter, die die Distanz zwischen Besuchern und ausgestelltem Tier wahren (z. B. in Form von Absperrungen, Rückzugsmöglichkeiten, Sichtschutz).
Sehr viel Nachholbedarf bei den erwähnten Kritikpunkten betshet an Reptilienbörsen, an denen die Ausstellungsbedingungen für viele Tiere nicht tiergerecht waren. So waren vielfach die Behältnisse zu klein und kaum strukturiert. Es fehlten häufig geeignete Substrate, bedürfnisgerechte Strukturen/Strukturelemente und Rückzugsmöglichkeiten sowie Sichtschutz. Zudem stand den Tieren in den Kunststoffbehältern häufig kein optimales Klima zur Verfügung.

Grosse Bühnen und fehlende Restriktionen für Extremzüchter
An den Hunde- und Katzenausstellungen konnten wiederum Verbesserungen hinsichtlich der Häufigkeit des übermässigen Zurechtmachens festgehalten werden. Ansonsten bot sich den Besuchern mehr oder weniger das gleiche Bild wie in den Jahren davor: strapazierte Tiere durch Hochzerren und Würgen an Leinen und Halsbändern, teils enge Platzverhältnisse und zahlreiche durch extreme Zuchtmerkmale belastete Hunde und Katzen wie z. B. ausgeprägt kurzköpfige Tiere, mit vielen Falten, fehlender oder kurzer Rute sowie Nacktformen. Insbesondere bei den Extremzuchten gibt es aus Sicht des STS noch viel Verbesserungsbedarf, ist gerade in diesem Bereich die Verordnung Tierschutz beim Züchten (seit 2014 in Kraft) noch weit entfernt von einer konsistenten Umsetzung. Hier müssen RichterInnen, Veranstalter und Amtstierärzte zukünftig noch viel genauer hinschauen und auch strenger durchgreifen.
Bei den drei besuchten Kuhausstellungen (Swiss Expo Lausanne, Tier & Technik St. Gallen, Expo Bulle) stach, insbesondere in der Romandie, wiederholt negativ hervor: Züchter und Aussteller versuchten sich gegenseitig im Wettbewerb auf Kosten ihrer gutmütigen Tiere zu übervorteilen. Je grösser und voller das Euter, desto sicherer der Sieg, was sich mit den Prämierungen bestätigte. Bei kaum einer Kuh wurden die gewohnten Zwischenmelkintervalle von 12 Std. eingehalten, fast alle Kühe hatten verklebte Zitzen, um den Milchfluss zu stoppen, und mussten stark belastet mit angeschwollenen, harten, zum Bersten gefüllten Eutern in die Arena. Die meisten konnten deswegen kaum normal gehen und das übermässige Zurechtmachen mit Lack, Gel, Spray und Puder inklusive Abrasur der Tasthaare an Maul und Augenbrauen belastete die Tiere zusätzlich. Die gezeigten Prozeduren verstossen aus Sicht des Tierschutzes nicht nur in vielerlei Hinsicht gegen die gesetzlichen Bestimmungen und Reglemente, sondern sind in höchstem Masse Ausdruck profitorientierter Zucht und Haltung, ohne Rücksicht auf Tierwohl und -gesundheit.

Auch beim Vorführen darf das Tierwohl nicht beeinträchtigt werden
An einigen Ausstellungen ist dem STS auch in diesem Jahr ein teilweise grober, rücksichtsloser Umgang mit den ausgestellten bzw. vorgeführten Tieren aufgefallen. Wir appellieren daher, bei den Präsentationen darauf zu achten, dass alle Tiere korrekt und mit der nötigen Geduld vorgestellt werden. Bei den Vorführungen ist regelmässig mit einem grossen, teils weniger erfahrenen Publikum zu rechnen und die verschiedenen Präsentationen dürfen nicht dazu führen, dass schlechte Beispiele kritiklos übernommen werden. Auf tierquälerische Auswüchse muss zwingend verzichtet werden – nicht nur aus gesetzlicher Sicht, sondern auch wegen der Verantwortung gegenüber dem anvertrauten Tier sowie dem Beispielcharakter, den Tier-Präsentationen vor Publikum grundsätzlich mit sich bringen.

Unser Fazit
Es ist sehr schön und motivierend zu sehen, wie sich viele Veranstalter und Aussteller unsere Kritik zu Herzen nehmen und Verbesserungen umsetzen. Wir sehen häufig zufriedene, entspannte Tiere, die beschäftigt sind und mit Artgenossen oder auch Besuchern interagieren können. Ausstellungen sind also nicht nur Stress und Belastung für die Tiere, sondern auch Abwechslung und Bereicherung. Die Tierausstellungen nehmen einen wichtigen Stellenwert in unserer Gesellschaft ein: Sie sind eine nicht wegzudenkende Begegnungszone für Tierfreunde, Fachpersonen, Züchter und Interessierte. Sie übernehmen aber auch wichtige pädagogische Aufgaben und schulen die Besucher in Sachen Tierhaltung und tierfreundlichem Umgang mit den Tieren. Daher legen wir seitens Tierschutzes auch so viel Wert auf die korrekte und konsistente Umsetzung der Tierschutzverordnung und verlangen, dass Tierausstellungen sich mit den besten Beispielen für vorbildliche Tier- und Gruppenhaltungen sowie mit einem respektvollen, tierfreundlichen Umgang der Bevölkerung präsentieren.
Unsere konkreten Verbesserungsvorschläge und Forderungen sind jeweils im Fazit der Einzelberichte zu den Ausstellungen aufgeführt.