STS-Report Tierausstellungen 2016
Zusammenfassung

2016 wurden siebzehn Tierausstellungen von internationaler und nationaler Bedeutung, darunter fünf grosse Publikumsmessen (OFFA, LUGA, BEA, Comptoir Suisse, OLMA), vier Kuhausstellungen, jeweils zwei Hunde- und Katzenausstellungen sowie eine Reptilienbörse, eine Sing- und Ziervogel-, eine Kleintier- und eine Brieftaubenausstellung von den Fachleuten des Schweizer Tierschutz STS besucht.

Aufgrund unserer letztjährigen Recherche und Kritik konnten auf einigen Ausstellungen Verbesserungen umgesetzt und neu teils vorbildliche Tierhaltungen dokumentiert werden. So wurde an der OLMA beispielsweise eine moderne, tierfreundliche Milchviehhaltung im Freilaufstall mit Melkroboter gezeigt und an der LUGA und der BEA konnten sich Besucher Eindrücke von vorbildlichen Vogel- und Meerschweinchenhaltungen verschaffen.

Ebenso positiv erwähnenswert sind aus unserer Sicht die häufiger abwechslungsreich strukturierten Schaf-, Ziegen- und Freilaufgehege an den Publikumsmessen, bei denen die Tiere teilweise mehr Platz, Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten erhielten. Auch die weitestgehend artgerechte Freilaufhaltung der Schweine an der BEA überzeugte uns – ein Genuss, die friedlich lebende Gruppe drinnen und draussen bei ihren Aktivitäten oder auch beim Dösen beobachten zu können.

Ein konträres Bild und unverständlich aus Sicht des Tierschutzes bot die Haltung des Mutterschweins mit ihren Ferkeln auf derselben Ausstellung: auf minimalsten Platzverhältnissen eingepfercht und dadurch zur Unbeweglichkeit gezwungen, von nahezu allen Seiten den vielen Besuchern und Berührungen ausgeliefert, ohne jedwede Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeit. So musste das Mutterschwein tagelang ausharren, auch bereits schon 2015 und 2014. Sicher, solche Haltungsformen sind in den Ställen der Landwirte wahrscheinlich leider noch gang und gäbe. Von einer Publikumsmesse mit knapp 300 000 Besuchern darf aber erwartet werden, dass sie ihrem Vorbildcharakter gerecht wird und eine tierfreundliche Haltung zeigt, die gut strukturiert ist und ausreichend Platz für die Tiere und ihren Rückzug garantiert.

Auch die Streichelzoos fallen dieses Jahr grösstenteils wieder in die Kritik des Tierschutzes. Regelmässig fehlen hier verhaltensgerechte Strukturen sowie Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten. Die Tiere sind häufig aufgrund der besonderen Ausstellungssituation und den vielen Besuchern und Berührungen überfordert und belastet. Zu den Minimalanforderungen gehören daher unzugängliche Rückzugs- und Ruhezonen sowie geschulte Aufsichtspersonen, die das Einhalten der Ruhezeiten garantieren und die Besucherströme lenken. Zudem müssen auch hier individuelle, auf die jeweils ausgestellten Tierarten, ihre Besonderheiten und Bedürfnisse ausgerichtete Gehege und Strukturen, wie zum Beispiel Klettermöglichkeiten für Ziegen und Knabbermaterial für kleine Wiederkäuer, Esel und Ponys, bereitgestellt werden.

Die grössten Kritikpunkte bei den Besuchermessen 2016 waren fehlende Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, zu knappe, teils auch gegen die Tierschutzverordnung verstossende Platzverhältnisse, fehlender Auslauf bzw. fehlende Bewegungsmöglichkeiten an mehrtägigen Veranstaltungen für in dauernder Anbindung gehaltene Tiere wie Stiere, Kühe, Kälber und Jungrinder sowie in Boxen gehaltene Pferde und Mutterstuten mit Fohlen bei Fuss.Auch, wie beispielsweise an der OLMA, der Transport und die Aufstallung hochträchtiger Kühe sowie die (geplanten) Geburten an den Ausstellungen sind aus Sicht des Tierschutzes wegen der enormen Belastungen für die Tiere nicht tragbar.

An der Reptilienbörse in Etoy mussten zahlreiche Tiere in mehr oder weniger kahlen und häufig zu kleinen Plastikbehältern oder Bechern ohne Rückzugsmöglichkeiten ausharren. Vielfach wurde auch die Börsenordnung nicht eingehalten, beispielsweise wegen ungenügender Beschriftungen, Ausstellung und Verkauf von Wildfängen, zu kleinen Behältnissen und Nichteinhalten der Sicherheitsvorschriften. Mäuse und Ratten konnten als lebende Futtertiere auch gleich mit eingekauft werden. Die Tiere wurden nebst ihren Belastungen durch die unmittelbare Nähe ihrer Feinde und der vielen Besucher zum grössten Teil nicht artgerecht präsentiert und ihre Haltung entsprach nicht der Tierschutzverordnung.

An den Hunde- und Katzenausstellungen zeigt sich jedes Jahr das gleiche tierschutzwidrige Bild: strapazierte und in ihrem natürlichen Habitus stark eingeschränkte Tiere durch übermässiges Zurechtmachen, Hochzerren und Würgen an Leinen und Halsbändern, unzureichende Käfig- und Boxenhaltung, vermenschlichte und aufgrund ihres äusseren Erscheinungsbildes erniedrigte Tiere mit hohen Stress Scores. Hier scheinen die Veranstaltungs- und Organisationsverantwortlichen sowie die Aussteller gegenüber Tierschutzverbesserungen besonders resistent zu sein.

In besonderem Masse sind 2016 die vier besuchten Kuhausstellungen in die Kritik geraten. Hier versuchten die Züchter und Aussteller sich gegenseitig im Wettbewerb zu übervorteilen auf Kosten ihrer gutmütigen Tiere. Das Motto: Je grösser und voller das Euter, desto sicherer der Sieg. Bei kaum einer Kuh wurden die gewohnten Zwischenmelkintervalle von 12 Std. eingehalten, fast alle Kühe hatten verklebte Zitzen um den Milchfluss zu stoppen, angeschwollene, harte, zum Bersten gefüllte Euter. Die meisten konnten deswegen kaum noch normal laufen und auch hier war das übermässige Zurechtmachen mit Lack, Gel, Spray und Puder inklusive Abrasur der Tasthaare an Maul und Augenbrauen, die Eintrittskarte in die grosse Arena. Die gezeigten Prozeduren verstossen aus Sicht des Tierschutzes nicht nur in vielerlei Hinsicht gegen die gesetzlichen Bestimmungen und Reglemente, sondern sind in höchstem Masse Ausdruck profitorientierter Zucht und Haltung, ohne Rücksicht auf Tierwohl und -gesundheit.

An einigen Ausstellungen ist uns auch ein grober, rücksichtsloser Umgang mit den ausgestellten bzw. vorgeführten Tieren aufgefallen. Wir appellieren daher, bei den Präsentationen darauf zu achten, dass alle Tiere korrekt und mit der nötigen Geduld vorgestellt werden. Bei den Vorführungen ist regelmässig mit einem grossen, teils weniger erfahrenem Publikum zu rechnen und die verschiedenen Präsentationen dürfen nicht dazu führen, dass schlechte Beispiele kritiklos übernommen werden. Auf tierquälerische Auswüchse muss zwingend verzichtet werden – nicht nur aus gesetzlicher Sicht, sondern auch wegen der Würde und Verantwortung gegenüber dem anvertrauten Tier und dem Beispielcharakter, die Tier-Präsentationen vor Publikum grundsätzlich mit sich bringen.