STS-Recherche «Viehausstellungen 2018»

Swiss Expo Lausanne

[ 10. bis 13. Januar 2018, besucht am 12. Januar 2018 ]

Das Ausstellungsreglement wurde von der Arbeitsgemeinschaft Schweizer Rinderzüchter ASR erneut überarbeitet. Neu werden nach den einzelnen Prämierungen Ultraschalluntersuchungen der Euter durchgeführt. Zwar wurde die eigentliche Ultraschalluntersuchung unseren Beobachtungen zufolge seriös vorgenommen und die im Reglement vorgesehenen Massnahmen wurden zum Teil auch gegen den oftmals deutlichen Unmut der Vorführer und Tierhalter durchgesetzt, doch bleibt die Frage, warum die Untersuchung erst nach der Prämierung durchgeführt wurde und ein Positivbefund nicht wie reglementarisch vorgesehen zum Wettbewerbsausschluss führte und warum Preise, die die Aussteller der Kühe mit Euterödem erhalten hatten, nicht entzogen wurden? Es wäre wünschenswert, wenn das Reglement in diesem Punkt konsequent umgesetzt werden würde. Da mit dem von uns beobachteten Vorgehen trotz fehlbarem Handeln keinem der Aussteller ernsthafte Konsequenzen droh(t)en, wird sich an den übervollen Eutern und den Belastungen der Tiere auch in Zukunft nicht viel ändern. Dies obwohl mit viel Geld eine aufwendige Methode zur Euterödembestimmung mittels Ultraschall entwickelt wurde und man mit deren Einsatz die Öffentlichkeit und viele Tierschützer beschwichtigen und v. a. für eine Besserstellung jener Züchter, die aus Tierschutzgründen gerade nicht ans Limit gehen wollen, anstreben wollte.

Solange die Feststellung eines Euterödems keine einschneidenden Folgen für den Aussteller nach sich zieht – und zwar bereits ab einem Schweregrad 1 -, wie z. B. Verwarnung und Ausschluss vom Wettbewerb, nach der 2. Verwarnung längere Sperre, Anzeige wegen Verstosses gegen die Tierschutzverordnung usw., führt sie bestenfalls dazu, dass mit den zu langen Melkintervallen einfach «ein bisschen weniger gepokert» wird; eine effiziente, präventive Massnahme / Methode, um die Tiere vor den erwähnten und gemäss Tierschutzverordnung verbotenen Belastungen zu schützen, stellt sie leider nicht dar.

Die aus unserer Sicht einzige wirklich effiziente Methode, um überladene Euter an Ausstellungen und Viehschauen zu verhindern, wäre, obligatorisch ein normales Melkintervall von maximal 12 Stunden festzulegen. Dieses müsste kontrolliert und blockweise an den Ausstellungen durchgeführt werden und alle Milchkühe umfassen. Zudem müsste es verboten werden, den Kühen die Zitzen zu verkleben. Das Euter kann auch von Richter beurteilt werden, wenn der Milchfluss einsetzt, das zeigt ein Holstein-Wettbewerb in Deutschland.

Wie bereits mehrfach bemängelt, werden die Kühe weiterhin mit zahlreichen Produkten behandelt, um dem gewünschten Ideal möglichst gut zu entsprechen. Dabei werden sie mit chemischen Substanzen und medizinisch wirksamen Salben und Cremes behandelt sowie übertrieben zurechtgemacht. Nebst etwaiger Schäden und Belastungen durch die Anwendung der Styling-Produkte müssen die Tiere dafür lange in unnatürlicher Körperhaltung fixiert ausharren.

Zudem ist der Zitzenverschluss mit Collodium immer noch erlaubt, was eine natürliche Druckentlastung des Euters durch den Milchfluss verhindert und die Kuh dadurch zusätzlichen Belastungen aussetzt (Schmerzen und erhöhter Innendruck des Euters, je nach Methode unangenehmes bis schmerzhaftes Auftragen des Klebstoffs sowie unangenehmes bis schmerzhaftes Entfernen des Klebstoffes vor dem Melken, je nach verwendetem Klebstoff auch Hautreizungen und Gewebeschäden).