STS-Recherche «Viehausstellungen 2018»

Expo Bulle, Espace Gruyère Bulle

[ Samstag, 24. März 2018 ]

Das Ausstellungsreglement wurde von der Arbeitsgemeinschaft Schweizer Rinderzüchter Ende 2017 erneut überarbeitet. Neu werden nach den einzelnen Prämierungen Ultraschall-Untersuchungen der Euter durchgeführt. Zwar wurde die eigentliche Ultraschall-Untersuchung unseren Beobachtungen zufolge seriös vorgenommen, doch bleibt die Frage, warum die Untersuchung erst nach der Prämierung durchgeführt wurde und ein Positivbefund nicht wie reglementarisch vorgesehen zum Wettbewerbsausschluss und zur Verwarnung führte. Zudem stellt sich die Frage, warum die Preise, die Aussteller der Kühe mit Euterödem erhalten hatten, nicht entzogen wurden.

Es wäre wünschenswert, wenn das Reglement bei verlängerten Melkintervallen und beeinträchtigtem Wohlergehen und -befinden der Kühe konsequent umgesetzt werden würde. Da mit dem von uns beobachteten Vorgehen trotz fehlbarem Handeln keinem der Aussteller ernsthafte Konsequenzen droh(t)en, ist zu befürchten, dass sich an den überladenen Eutern und den Belastungen der Tiere auch in Zukunft nicht viel ändern wird. Dies obwohl mit viel Geld eine aufwendige Methode zur Euterödembestimmung mittels Ultraschall entwickelt wurde und man mit deren Einsatz die Öffentlichkeit und viele Tierschützer beschwichtigen und vor allem für eine Besserstellung jener Züchter, die aus Tierschutzgründen gerade nicht ans Limit gehen wollen, anstreben wollte.

Solange die Feststellung eines Euterödems keine einschneidenden Folgen für den Aussteller nach sich zieht – und zwar bereits ab einem Schweregrad 1 –, wie beispielsweise Verwarnung und Ausschluss vom Wettbewerb, nach der zweiten Verwarnung längere Sperre, Anzeige wegen Verstosses gegen die Tierschutzverordnung usw., führt sie bestenfalls dazu, dass mit den zu langen Melkintervallen einfach «ein bisschen weniger hoch gepokert» wird. Eine effiziente, präventive Massnahme / Methode, um die Tiere vor den erwähnten und gemäss Tierschutzverordnung verbotenen Belastungen zu schützen, stellt sie leider nicht dar.

Die aus unserer Sicht einzige wirklich effiziente Methode, um überladene Euter an Ausstellungen und Viehschauen zu verhindern, wäre, obligatorisch ein normales Melkintervall von maximal 12 Stunden festzulegen. Dieses müsste kontrolliert und blockweise an den Ausstellungen durchgeführt werden und alle Milchkühe umfassen. Zudem müsste es verboten werden, den Kühen die Zitzen zu verkleben.

Wie bereits mehrfach bemängelt, werden die Kühe weiterhin mit zahlreichen Produkten behandelt, um dem gewünschten Ideal möglichst gut zu entsprechen. Dabei werden sie mit chemischen Substanzen und medizinisch wirksamen Salben und Cremes behandelt sowie übertrieben zurechtgemacht. Nebst etwaiger Schäden und Belastungen durch die Anwendung der Stylingprodukte müssen die Tiere dafür lange in grösstenteils unnatürlicher Körperhaltung fixiert ausharren.