STS-Recherche «Viehausstellungen 2016»

Von der Viehschau zur Cow-Show

Früher reichten Striegel und Bürste. Mit der Amerikanisierung der Schweizer Viehzucht nimmt an Viehausstellungen hierzulande das Kuhstyling und die Präsentation von Hochleistungskühen mit Rieseneutern zu. Dabei wird mit tierschutzrelevanten und teilweise verbotenen Massnahmen nachgeholfen.

Im Kampf um die Lorbeeren an den grossen Viehschauen belegen Kühe mit extrem gefüllten Eutern regelmässig Spitzenplätze. Das Nachsehen haben Viehzüchter denen das Tierwohl wichtiger ist als ein pralles Euter ihrer Kühe.

Die vom Schweizer Tierschutz STS in den vergangenen Monaten besuchten Viehausstellungen - Swiss Expo Lausanne, Tier & Technik St. Gallen und Expo Bulle - hinterliessen bezüglich Organisation, Durchführung, Sauberkeit und Versorgung der Tiere einen guten Eindruck. Dennoch überwiegt ein negatives Gesamtbild. Grund dafür sind die häufig gesehenen, offensichtlich schmerzhaften Rieseneuter, welche nur mehr einen staksigen Gang der Tiere zulassen. Das ist ein klares Indiz für deutlich verlängerte Zwischenmelkzeiten bei vielen der präsentierten Kühe, was in der Tierschutzverordnung explizit verboten ist. Bei einem Grossteil der Kühe fanden sich denn auch verklebte Zitzen, um Milchfluss infolge der überdehnten Euter zu unterbinden.

Zudem werden die Tiere für ihren Auftritt auf dem Kuh-Catwalk exzessiv gestylt. Bis auf die Topline entlang dem Rücken werden sie kahlgeschoren und auch am Euter komplett rasiert. Selbst die Tasthaare am Kopf werden abgeschnitten. Während der Stylingprozedur sind die Tiere stundenlang in Zwangsvorrichtungen, mit Halftern angebunden, fixiert.