Tierwohl statt unfaire Billigmilch

Milchproduktion und Tierschutz

Mehr als 4 Milliarden (4'000'000'000) Liter Milch melken Schweizer Bauern in einem Jahr (Agrarbericht 2015). Noch nie produzierten sie so viel und noch nie verdienten sie dabei so wenig. Nach agrarpolitischen Fehlentscheiden (Aufhebung der Milchkontingentierung, Ankurbelung von Käse- und Futtermittelimporten, Subventionierung von Hochleistungs-Viehzucht) ist der einst wirtschaftlich und imagemässig bedeutende Betriebszweig zu einem Sanierungsfall verkommen.

Die STS-Broschüre «Milchproduktion und Tierschutz» zeichnet ein zwiespältiges Bild vom Tierschutz in hiesigen Milchviehställen. Zwar nahmen Weidegang, Auslauf und freie Bewegung der Kühe in den vergangenen zwanzig Jahren zu und die Vorschriften der Schweizer Tierschutzgesetzgebung geben den Tieren im Vergleich zum Ausland wenigstens einen gewissen Schutz. Dennoch besteht tierschützerischer Handlungsbedarf bezüglich Tierhaltung (z. B. fehlende Weiden und Ausläufe, verwehrtes Sozialleben, verbreitete Einzelhaltung Aufzuchtkälber, Kuhtrainereinsatz), Fütterung, Tierzucht (einseitige Hochleistungszucht) und der Mensch-Tierbeziehung (mangelnde Pflege und Tierbeobachtung).

Für mehr Tierschutz und zur wirtschaftlichen Gesundung der einheimischen Milcherzeugung schlägt der Schweizer Tierschutz STS die Entwicklung einer Marke "Schweizer Milch - aus tierfreundlicher Haltung" vor. Die grosse Bedeutung, die Konsumentinnen und Konsumenten traditionell dem Tierschutz beimessen, könnte auch erfolgversprechend genutzt werden zur Lancierung von Tierwohl-Labels für Milch- und Milchprodukte. Der STS hat dazu Anforderungen und Empfehlungen für eine besonders tierfreundliche Milcherzeugung erarbeitet.