Tierschutz-Kampagne gegen exotische Reptilienleder in der Uhrenindustrie
Firmenliste online einsehbar

(25|08|11) Im Februar 2011 startete der Schweizer Tierschutz STS eine Kampagne gegen die Verwendung von exotischen Reptilienledern (Python, Waran) in der Schweizer Uhrenindustrie. Sämtliche Mitglieder des Verbands der Schweizer Uhrenindustrie FH wurden aufgefordert, eine vom STS aufgesetzte Verzichtserklärung zu unterschreiben und sich somit von der Verwendung tierquälerischer Produkte für menschliche Extravaganz zu distanzieren. Auf der Homepage des STS können sich interessierte UhrenkäuferInnen jetzt vorab informieren, welche Firmen ihre Verantwortung gegenüber dem Wohl der Tiere und gegenüber der Artenvielfalt ernst nehmen.

In Südostasien werden wildlebende Warane und Netzpythons gefangen, weil ihre Häute in der Luxusindustrie für die Herstellung von Uhrenarmbändern, Taschen und Schuhen Verwendung finden. Sämtliche gefangenen Tiere erleiden in diesen Ländern, wo Tierschutzgesetze unbekannt sind, schreckliche Qualen (siehe auch >  "Rundschau“- Beitrag vom Oktober 2010 ) Warane werden gefesselt, geknebelt und schliesslich zu Tode geprügelt. Pythons werden bei lebendigem Leib gehäutet. Dieses schreckliche Tierleid scheint nur einem einzigen Zweck zu dienen: die Lust der Menschen nach Luxus und Exotik zu befriedigen. Die Schweiz gehört zusammen mit China, Singapur und Saudiarabien zu den bedeutendsten Abnehmern von exotischen Ledern aus Südostasien, was hauptsächlich auf die hier ansässige Uhrenindustrie zurückzuführen ist.

60 Firmen verzichten auf problematische Reptilienleder
Bis heute haben rund 60 Uhrenfirmen (unter ihnen die Swatch Group mit so bekannten Marken wie Swatch, Omega, Longines oder Breguet; sowie weitere bekannte Marken wie Chopard, Hugo Boss, Tag Heuer und Tommy Hilfiger) die Verzichtserklärung des STS unterschrieben. Diese Firmen haben grösstenteils noch nie problematische Leder verwendet und werden dies auch künftig nicht tun, obschon damit viel Geld zu machen wäre. Ebenso erfreulich ist aber auch die Tatsache, dass einige Firmen, die bisher problematische Leder in grösserem Umfang verwendeten, die Produktion von Uhren mit Schlangenarmbändern aufgrund der STS-Kampagne einzustellen und dafür sogar einen wirtschaftlichen Schaden und den Verlust von Stammkunden zu riskieren bereit sind. Hier geht die Bucherer Montres S.A. mit gutem Beispiel voran.

Die schweigende Mehrheit
Obschon der STS etliche Uhrenfirmen ein zweites Mal anschreiben musste, haben über 100 Mitglieder des Verbands der Schweizer Uhrenindustrie bis heute nicht auf die Verzichtserklärung reagiert – darunter bekannte Namen wie Chanel, Louis Vuitton oder Nina Ricci Montres. Die Liste jener Firmen, welche die Anfrage nicht beantwortet haben, oder die die Verzichtserklärung aus unterschiedlichen Gründen nicht unterschreiben konnten oder wollten, ist ebenfalls auf der > Homepage des Schweizer Tierschutz STS einsehbar.
Befremdlich erscheint dem STS zudem die Tatsache, dass einige der antwortenden Firmen zwar selber keine problematischen Leder verwenden, aber nicht im Zusammenhang mit einer Tierschutzorganisation genannt werden wollen. Offenbar besteht in der Branche immer noch eine grosse Hemmung, sich mit den ethischen Fragen zur „Rohstoffbeschaffung“ und gewissen problematischen Kundenwünschen auseinander zu setzen. Die Firmenlisten des STS sowie (auf Anfrage) detailliertere telefonische Informationen zu einzelnen Marken sollen es den ums Wohl der Tiere besorgten KundInnen nun ermöglichen, beim Kauf von Modeartikeln (Uhren, aber auch Handtaschen, Schuhe) jene Marken zu unterstützen, welche ihre Verantwortung gegenüber dem Tierwohl wahrnehmen und jene Marken zu meiden, bei welchen nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie auch weiterhin am Leid von Tieren verdienen.

Für Rückfragen:
Sara Wehrli (Zoologin), Fachstelle Wildtiere des Schweizer Tierschutz STS,
     Tel. 076 345 14 48
Dani Winter, Pressestelle STS, Mobile 079 707 42 79