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Hightech für Rehkitzrettung
(29|05|08)  Die Heusaison ist in vollem Gange. Der Schweizer Tierschutz STS testet in Zusammenarbeit mit IP-Suisse und RevierJagd Schweiz ein Hightech-Gerät, mit welchem Rehkitze und andere Wildtiere im hohen Gras lokalisiert und damit vor einem qualvollen Tod durch Vermähen geschützt werden können. Ziel des Projektes ist es, die Wirksamkeit dieses Gerätes in einem breiten Praxisversuch zu prüfen, um bei posi- tiven Erfahrungen in den Folgejahren einen schweizweiten Einsatz des Gerätes ins Auge zu fassen.

In der Saison 2007 sammelte der STS in einer kleinen Serie Erfahrung mit drei Hightech- Geräten zum Aufspüren von Wildtieren im hohen Heugras. Eines der Geräte hat sich in der Praxis bewährt. Der „Wildretter“ der deutschen Firma ISA ergab vielversprechende Ergeb- nisse, was zu einer Weiterführung und Ausdehung des Projektes führte.

Der „Wildretter“ erfasst mit hochentwickelten Sensoren die Infrarotstrahlung der Tiere, die sie auf Grund ihrer Körperwärme abgeben. Auf einer Tragstange montiert, wird das Feld systematisch abgeschritten und die Infrarot-Sensoren suchen aus 60 bis 80 cm Höhe Feld und Wiese kontinuierlich ab. Tiere, welche sich im hohen Gras versteckt halten, werden geortet und können vor den messerscharfen Mähgeräten gerettet werden. Das teleskopartig ausgezogene Gerät deckt eine Breite von zirka 6 Metern ab. Aufgrund der guten Erfahrungen im 2007 schaffte der STS neun dieser hochtechnischen Geräte an und setzt sie in diesem Jahr an verschiedensten Orten der Schweiz ein.

Durch Unfälle mit landwirtschaftlichen Maschinen kommen jährlich mindestens 2'000 Rehkitze um, wobei die Dunkelziffer nach Schätzungen des STS um ein mehrfaches höher sein dürfte. Die Rehgeiss sucht ihr Junges während der ersten Wochen nur kurz zum Säugen und Säubern auf. Wenn Gefahr droht, duckt sich das Kitz und ist, dank seinem gefleckten Fell und weil es noch keinen Eigengeruch hat, gegen natürliche Feinde sehr gut geschützt. „Dieses sinnvolle natürliche Verhalten von Rehen wirkt sich beim heutigen, sehr leistungsfähigen Mähvorgang katastrophal aus“, erklärt Peter Schlup von der Fachstelle Wildtiere des STS. Rehkitze sind im hohen Gras leider nicht oder meist zu spät erkennbar. Da solche Unfälle oft zu schwersten Verletzungen führen, die für die Rehe mit unvorstellbaren Schmerzen verbunden sind bis sie endlich erlöst werden, sieht es der STS als eine Aufgabe, hier für Abhilfe zu sorgen.

Als Partnerorganisation für dieses Testprojekt konnte bereits 2007 die IP-Suisse gewonnen werden. Auch in dieser Saison sind IP-Suisse-Landwirte aktiv mit dabei. Auf Ihren Betrieben werden die Geräte eingesetzt und Erfahrungen gesammelt. Für die Bauern ist es auch emotional ein grosses Problem, wenn Rehkitze vermäht werden und sie helfen gerne, möglichst alle Rehkitze vor dem möglichen „Mähtod“ zu schützen. Bei Silagen kann zudem ein toter Tierkörper im Futter fatale Folgen haben: Beim Verwesen bilden sich giftige Stoffe, die für Nutztiere wie Kühe tödlich sein können.

Die letztjährige Vorstudie zeigte, dass für einen effizienten und wirkungsvollen Einsatz von Rehkitz-Rettungsgeräten eine enge Zusammenarbeit von Landwirten und Jägern von grosser Wichtigkeit ist. Denn für den Einsatz der Suchgeräte in den Mähwiesen sind oft aktive Jäger und Jägerinnen am besten geeignet, da sie wissen, in welchen Wiesen sich Rehe mit ihren Kitzen aufhalten und die nötige Erfahrung im Umgang mit den Jungtieren mitbringen. RevierJagd Schweiz hat sich dann auch auf Anfrage des STS bereit erklärt, bei diesem Projekt mitzuarbeiten. Mehrere ihr angeschlossenen Jäger und Jagdgesell- schaften sowie kantonale Wildhüter konnten so für die Mitarbeit gewonnen werden.

Mit einer guten Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen Schweizer Tierschutz STS, IP-Suisse, RevierJagd Schweiz und dem Einsatz vieler Einzelpersonen dürften in dieser Heusaison wertvolle Daten und Erfahrungen gesammelt werden, um ein abschlies- sendes Urteil zum „Wildretter“ zu fällen. Sollte die Wirksamkeit und Praxistauglichkeit dieses Gerätes erneut bestätigt werden, wird der STS eine schweizweite Verbreitung und Anwendung in den Folgejahren ins Auge fassen.


Für Rückfragen:
Peter Schlup, Fachstelle Wildtiere STS, Telefon 079-752 47 84 oder
Geschäftsstelle Schweizer Tierschutz STS, Telefon 061 365 99 99