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Tierschutzrating: Coop schlägt Migros
(16|10|07)  Trotz „Geiz ist geil“, Importkonkurrenz und Billiglinien haben Produkte aus tierfreundlicher Haltung bei den Grossverteilern in den vergangenen zwei Jahren zugelegt. Das zeigt das 2007er STS-Tierschutz-Rating der Schweizer Lebensmittel- detaillisten, bei dem erneut COOP obenausschwang. Obwohl etwas teurer als kon- ventionelle Produkte, verkaufen sich Freilandeier und Labelfleisch immer besser. Und es sind diese Produkte, die den Schweizer Bauern die Chance geben, der billigeren Importkonkurrenz zu trotzen.

Das zweite Tierschutz-Rating der Lebensmitteldetaillisten stellt den Konsumentinnen und Konsumenten ein gutes Zeugnis aus. Für sehr viele von ihnen ist das Tierwohl offen- sichtlich kein vorübergehender Modegag. Freilandeier und Labelfleisch sind längst keine Nischenprodukte mehr. Vielmehr erreichen sie bei Detaillisten, die mit ihrer Verantwortung für das Tierwohl ernst machen, mittlerweile Marktanteile von teilweise 50% bis 75%.

Trotz der zunehmenden Öffnung der Grenzen für Importe, der „Geiz ist geil“-Welle und der Einführung von Billiglinien, legten Produkte aus tierfreundlicher Haltung bei den sechs vom STS untersuchten Lebensmitteldetaillisten (Migros, Coop, Volg, Manor, Carrefour, Denner) im Vergleich zum ersten, 2005 erfolgten Rating, nochmals zu. „Die Schweizer Bauern können sich nicht über die Bevölkerung beklagen“, meint STS-Geschäftsführer Hansuli Huber. Die erfreulichen Zuwachsraten für Freiland/Bioeier und Label/Biofleisch, auch in wirtschaftlich durchzogenen Zeiten, seien ein starkes Indiz dafür, dass das Tierwohl eine wesentlichen Komponente für die Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer Produkten darstelle, führt Huber aus.

Die für die artgerechte Nutztierhaltung in der Schweiz erfreuliche Entwicklung am Markt findet gemäss Nationalrätin Barbara Marty Kälin durch die Agrarpolitik bislang zuwenig Unterstützung. Noch immer flössen Millionen Franken an Direktzahlungen auch in wenig tierfreundliche Betriebe und würde der Bau von Milchvieh-Anbindeställen mit Kuhtrainer vom Bund subventioniert, moniert Marty Kälin. Sie hat deshalb in der vergangenen Herbstsession eine Motion eingereicht, die den Bundesrat auffordert, landwirtschaftliche Investitionskredite und Beiträge zur Strukturverbesserung nur noch für tierfreundliche, d.h. BTS/RAUS-konforme Stallbauten auszurichten. Damit soll die Umstellung auf Haltungsformen, deren Produkte am Markt gefragt sind, stärker gefördert werden.

Stefan Kausch von der Churer food-marketing-Agentur pluswert, schätzt, dass im Schweizer Lebensmitteldetailhandel heute allein für Fleisch aus tierfreundlicher Haltung rund 1.5 Milliarden Schweizer Franken ausgegeben wird, was wertmässig über 40% Marktanteil innerhalb des Fleischsortiments entspricht. Matchentscheidend für eine erfolgreiche Vermarktung sei aber die strategische Einbettung der Tierwohl-Label auf Sortiments- und Unternehmensebene. Solche hochwertigen Produkte einfach ins Regal zu stellen, bringe nichts. Kausch sieht dann bei Produkten aus tierfreundlicher Haltung weitere Steigerungsmöglichkeiten und gar die Chance, mit diesen Produkten im globalisierten und anonymen Massenmarkt im Ausland Fuss fassen zu können.

Auch in Deutschland wächst die Bedeutung von Produkten aus tierfreundlicher Haltung. Mehr als zwei Drittel der produzierten Eier entstammen mittlerweile Alternativen zur tierschutzwidrigen Käfigbatteriehaltung. Bruno Jöbkes, Geschäftsführer der Firma Thönes Natur in D-Wachtendonk, schätzt den Marktanteil allein von Biofleisch auf rund 700 Millionen Schweizer Franken. Jöbkes, der mit 300 Vertragsbauern und 140 Lebens- mittel-Einzelhändlern zusammenarbeitet und sich dabei erfolgreich auf tierfreundliche Produkte spezialisiert hat, betont, man müsse den Menschen klar bedeuten, dass es immer die freie persönliche (Einkaufs-)Entscheidung sei, sich Tieren gegenüber bewusst fair zu verhalten oder Leiden zu provozieren.

Zum zweiten Mal nach 2005 führte der STS eine Tierschutzbewertung der Schweizer Lebensmitteldetaillisten durch. Dabei wurden Herkunft (Import oder Inland) und Pro- duktionsformen von Eiern, Fleisch und Käse (Konventionell oder Label/Bio) sowie das Angebot sogenannter „Delikatessen“ (z.B. Stopfleber, Froschschenkel) mittels eines Fragebogens erhoben und die Resultate vom STS nach tierschutzrelevanten Kriterien bewertet. Am aktuellen STS-Tierschutz-Rating nahmen sechs Firmen teil: Migros, Coop, Volg, Manor, Carrefour und Denner. Deren Marktanteil bei Fleisch, Eiern und Käse wird auf über 90% geschätzt. Die Antwort und damit das Offenlegen ihrer „Tierschutzleistungen“ verweigert haben Aldi, Spar, Pam SA, Group Magro und Valora Holding AG. Am besten schnitt 2007 erneut Coop ab, gefolgt von Migros und Manor.


Für Rückfragen:
STS-Geschäftsstelle, Telefon 061 365 99 99
sts@tierschutz.com