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Tierfreundliche Produktion ungenügend gefördert
(16|06|08)  Mit einer Interpellation verlangt Nationalrätin Pascale Bruderer Auskunft vom Bundesrat, warum die Beiträge für Tierwohlprogramme so tief sind und die Betei- ligung der Tierhalter stagniert. Der Schweizer Tierschutz STS fordert eine spürbare Erhöhung der Ethobeiträge auf 350 Franken pro Grossvieheinheit. Damit würde ein Anreiz für die Bauern geschaffen, vermehrt tierfreundlich zu produzieren und damit dem Willen der Bevölkerungsmehrheit zu entsprechen.

Zwar hätte der Bund nach dem Landwirtschaftsgesetz die Pflicht, besonders tierfreund- liche Produktionsformen zu fördern, doch in der Praxis tut er dies nur halbherzig. Von den jährlich 2,5 Milliarden Franken Direktzahlungen an die Bauernbetriebe fliessen nur gerade acht Prozent in die sogenannten Ethoprogramme, welche das Tierwohl fördern. Warum dies so ist, will nun Nationalrätin Pascale Bruderer mit einer Interpellation vom Bundesrat beantwortet haben. Sie will vom Bundesrat wissen, warum die Beteiligung der Bauern an den Ethoprogrammen RAUS (regelmässiger Auslauf) und BTS (besonders tierfreundliche Stallsysteme) stagniert und wie die Situation verbessert werden kann.

Der Schweizer Tierschutz STS kritisiert, dass die Ethobeiträge tiefer sind als die all- gemeinen tierhaltungsbezogenen Direktzahlungen. Damit stellt der STS nicht grundsätz- lich das System der Direktzahlungen in Frage, verlangt aber eine Verlagerung zugunsten von Programmen, welche das Tierwohl im Fokus haben.

Bei den heutigen Ansätzen von BTS und RAUS können gewisse Tierhalter teilweise kaum ihre höheren Produktionskosten damit abdecken. Da erstaunt es nicht, dass 14 Tierkate- gorien von insgesamt 22 nur den wenigsten Tieren Auslauf ins Freie gewährt wird und die meisten nicht in BTS-Ställen gehalten werden. Deshalb fordert der STS die Erhöhung RAUS- und BTS-Beiträge auf 350 Franken pro Grossvieheinheit zulasten der allgemeinen Direktzahlungen.

Tierwohl als Konkurrenzvorteil
Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard täte gut daran, dem Bundesrat eine Erhöhung der Ethobeiträge zu beantragen, wenn sie schon ein Freihandelsabkommen mit der EU anstrebt. Denn nur wenn die bäuerlich strukturierte Tierhaltung erhalten bleibt und konsequent auf Qualität setzt, kann unsere einheimische Landwirtschaft gegen die ausländische Konkurrenz im freien Wettbewerb bestehen. Selbst eine vom Bundesamt für Landwirtschaft in Auftrag gegebene Umfrage belegt, dass Tierwohl und Ökologie die wichtigsten Anliegen der Konsumenten an die Landwirtschaft sind. Für tiergerechte und naturfreundlich hergestellte Produkte sind sie sogar bereit, einen höheren Preis in Kauf zu nehmen.


Für Rückfragen:
Dr. Hansuli Huber, Geschäftsführer Fachbereich STS, Telefon 052 338 10 74