Abschied von der Menagerie

Nach den Corona bedingten Schliessungen haben seit Kurzem Zoos, Tierparks und Aquarien ihre Tore wieder geöffnet. Der ideale Zeitpunkt für eine umfassende Tierschutz-Bewertung der Zootierhaltung in der Schweiz. Der neu veröffentlichte, vollständig überarbeitete «Zoobericht 2020» des Schweizer Tierschutz STS dokumentiert die Situation in den Zoos und Tierparks des Landes - abseits von «Jöööö!»- und «Lueeeg!».
Seit Jahren dokumentiert der Schweizer Tierschutz STS die Zootierhaltung in der Schweiz. Die umfangreiche Recherche beurteilt aktuell 42 Zoos und Wildparks in allen Landesteilen. Nicht die minimalistischen Gesetzesvorschriften sondern vielmehr die artspezfischen Bedürfnisse einer Tierart bilden die Grundlage der Beurteilung aus Tierschutzsicht. Neu in den STS-Zoobericht 2020 aufgenommen wurden das Aquatis in Lausanne, das Vivarium de Meyrin, das Arosa Bärenland sowie der Vogelpark Ambigua in Zeihen AG.

Erfreulicherweise hat sich die Qualität der Zootierhaltung seit der letzten, im Jahr 2014 veröffentlichten Recherche weiter verbessert. Es gibt mehr Platz für die Tiere, mehr gut strukturierte Anlagen und ein zunehmendes Bewusstsein für Tierschutzanliegen. Erkenntnisse der modernen Tiergartenbiologie und der Druck von Tierschutz und kritischen ZoobesucherInnen tragen das Ihrige dazu bei, dass sich die Qualität der Tierhaltung heute auf einem klar höheren
Niveau als noch vor 20 Jahren präsentiert. Die Zeiten in denen Wildtiere, wie Waren ausgestellt, dem staunenden Publikum präsentiert wurden, sollten definitiv vorbei sein.

Positive und weniger positive Beispiele
Im kleinen Zoo Hasel in Remigen AG findet man eine der besten Waschbärenanlagen der Schweiz. Wer Braunbären und Wölfe beobachten will, der ist im Juraparc in Vallorbe richtig. Hervorragend die Fischotteranlage im Berner Tierpark Dählhölzli, die Grossvoliere für Alpensteinbock, Geier, Waldrapp und Alpenmurmeltier im Wildpark von La Garenne, Le Vaud oder auch die Flamingoanlage im Walter Zoo in Gossau SG. Dagegen wirkt die Haltung der Kalifornischen Seelöwen im Zoo Basel wie ein Relikt aus vergangener Zeit. Aehnliches gilt für die Wildschweinanlage im Walliser Zoo Les Marécottes und der Tier- und Erlebnispark Seeteufel im bernischen Studen zeigt Kaimane und Wasserschildkröten auf blankem Beton.

Höchstmögliche Standards
Schweizer Zoos und Tierparks sind Publikumsmagnete: Millionen Menschen besuchen sie jedes Jahr. Der Schweizer Tierschutz STS plädiert nicht für die «Abschaffung der Zoo-Gefangenschaft». Allerdings muss sich jede Tierhaltung von höchstmöglichen Tierwohlstandards leiten lassen. Diese Standards verändern sich stetig und orientieren sich an neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie gesellschaftlichen Entwicklungen und Ansprüchen. Nur Zoos, die diesen Veränderungen Rechnung tragen, können ihre Legitimation rechtfertigen.