Debatte über Tierversuche

Im Nationalrat blieb die Tierversuchsverbots-Initiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot» chancenlos. Ebenfalls abgelehnt wurden beantragte Gegenvorschläge. Nun sind drei parlamentarische Vorstösse* eingereicht worden, die Tierschutzanliegen und -forderungen aufnehmen und deren Zielrichtung der Schweizer Tierschutz STS vollumfänglich unterstützt.
Die von den Nationalrätinnen Martina Munz (SP/SH) bzw. Meret Schneider (Grüne/ZH) eingereichten Vorstösse sprechen den Handlungsbedarf dreier wichtiger Kernthemen im Bereich Tierversuche an: Verbesserungen in der Versuchstierhaltung, Forschung und Anwendung neuer tierfreier Methoden, einheitliche Beurteilung schwerbelastender Tierversuche. Die Umsetzung der politischen Forderungen würde einerseits zu wesentlichen Verbesserungen im Wohlbefinden der Versuchstiere führen und andererseits die Qualität, Aussagekraft und Effizienz von Tierversuchen enorm verbessern.

Zu viel Tierleid, zu wenig Erkenntnisgewinn
Tierversuchen wird allgemein ein schlechtes Zeugnis hinsichtlich ihrer Qualität und Aussagekraft, wie auch ihrer Effizienz und Übertragbarkeit auf den Menschen attestiert. Immerhin wird mit den jährlich rund 630`000 Versuchstieren mehrheitlich an den Verbesserungen für die menschliche Gesundheit geforscht. Der Output ist seit Jahrzehnten aber marginal: nur ein kleiner Prozentsatz (global 9,6%) der Forschung mit Tieren und Tiermodellen mündet nach durchschnittlich 10 bis 15 Jahren in einen tatsächlichen Nutzen für die menschliche Gesundheit oder den Schutz des Lebens.

Mit geeigneten Alternativen können und müssen belastende Tierversuche ersetzt und der Verbrauch von Versuchstieren auf ein Minimum reduziert werden. Der Schweizer Tierschutz STS verfolgt die Strategie für die Gesundheits- und Pharmaforschung des Menschen vom Tierversuch wegzukommen und schrittweise auf die breite Förderung, Entwicklung und Implementierung der 3R (Replace, Reduce, Refine), insbesondere von Ersatzmethoden, umzusteuern.

Radikalforderungen, wie sie die Tierversuchsverbots-Initiative stellt, sind schnell verworfen. Die eingereichten Vorstösse aber zwingen die Politik dazu sich weiterhin mit der Problematik Tierversuche zu befassen und Wege zu finden, die mit modernen Technologien zu weniger Tierleid und mehr Fortschritt ohne Tierversuche führen.

* Parlamentarische Vorstösse:
21.3363 Motion, Munz Martina: Gemeinsame Bewilligungsbehörde für eine einheitliche Beurteilung von Tierversuchen mit Schweregrad 3
21.3364 Interpellation, Munz Martina: Impfstoffentwicklung mit neuen Methoden ohne Tierversuche
21.3405 Motion, Schneider Meret: Tierschutzkonforme Haltungsbedingungen für Labor- und Versuchstiere