Recherche Schweizer Tierschutz STS: «Marktanalyse Eier und Geflügelfleisch»

Preispolitik auf Kosten der Tiere

Eine zweite Recherche des Schweizer Tierschutz STS zur stagnierenden Entwicklung im Labelmarkt analysiert das Preisgefüge bei Geflügelfleisch und Eiern. Die Recherche belegt: Auch in diesem Marktsegment sind Label- und Bioprodukte im Detailhandel preislich klar benachteiligt. Es ist an der Zeit, die Preisverzerrungen zu beseitigen. Es ist an der Zeit für eine «Absatzoffensive Labelfleisch und Eier».
Die Nachfrage nach Produkten aus tierfreundlicher Haltung stagniert, ist in manchen Bereichen sogar rückläufig, so zum Beispiel bei Label-Geflügelfleisch mit einem Marktanteil von aktuell weniger als acht Prozent. Der Schweizer Tierschutz STS ist mit der neuen «Marktanalyse Eier und Geflügelfleisch» den Ursachen nachgegangen. Wie bereits bei der «Marktanalyse Labelfleisch» (Rind- und Schweinefleisch, März 2020) bestätigt sich auch dabei, wie ruinös der Preiskampf bei konventionellen Nahrungsmitteln ist und wie deren Preise künstlich tief gehalten werden - klares Dumping auf Kosten der Tiere! Bedingt durch die überhohen Margen bei tierfreundlich erzeugten Label- und Bioprodukten sind diese preislich völlig unattraktiv positioniert.

Zu Ungunsten tiergerecht erzeugter Produkte verzerrte Preise entsprechen nicht den Zielen einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion. Unbefriedigend ist die Situation zudem für die Produzenten von Labelprodukten. Sie erzeugen die von den KonsumentInnen nachgefragten Mehrleistungen. Doch letztlich kommt der Grossteil des Aufpreises nicht bei ihnen an. Im Eier- und Geflügelfleischmarkt haben die Preisverzerrungen direkte Auswirkungen auf die Haltungsbedingungen von jährlich über 70 Mio. Mastpoulets und rund 3,1 Mio. Legennen in Schweizer Ställen.

Der während der Coronakrise erkennbare Trend zum Kauf tierfreundlicher Produkte aus heimischer Landwirtschaft darf nicht wieder abflachen. Die für Tierwohlprodukte nachteiligen, massiven Preisverzerrungen am Markt sind zu beseitigen, so dass KonsumentInnen weiterhin und noch vermehrt zu Schweizer Label- und Bioprodukten greifen - im Wissen, dass davon Millionen Tiere profitieren und gleichzeitig tierfreundlich produzierende Landwirte für ihre Mehrleistung fair entschädigt werden.

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( Kästchen) Absatzoffensive Labelfleisch und Eier
Mit der breit angelegten Kampagne «Absatzoffensive Labelfleisch und Eier» will der Schweizer Tierschutz STS die stagnierende Nachfrage von Produkten aus tierfreundlicher Haltung wiederbeleben. An die Marktakteure, KonsumentInnen und Politik richtet der STS klare Forderungen und wird von einem Grossteil der Bevölkerung unterstützt. Gemäss einer repräsentativen DemoSCOPE-Umfrage von Ende März 2020 wollen knapp drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer, dass die Grossverteiler und Discounter mit verbindlichen Massnahmen aufzeigen, wie sie den Absatz von tierfreundlich erzeugtem Label- und Biofleisch ankurbeln. Dazu sollen diese die Label-Sortimente attraktiver positionieren. Eine faire Abgeltung der Produzenten verlangen 85%, fast ebenso viele wollen auch, dass die Politik aktiver wird.