Stierkampf: Tortur, nicht Kultur

Am 9. August hat auf der Plaza de Toros in Palma de Mallorca die erste Corrida seit rund zwei Jahren stattgefunden. Das blutige Spektakel Stierkampf ist damit zurück auf der auch bei Schweizer Touristen beliebten Ferieninsel. In einem Schreiben ruft der Schweizer Tierschutz STS Reiseanbieter eindringlich zum Boykott von Stierkampfveranstaltungen auf.
Toreros dürfen auf Mallorca - wie in anderen Regionen Spaniens - wieder Stiere in der Arena töten. Ende 2018 hatte das spanische Verfassungsgericht ein vom Regionalparlament der Balearen verhängtes Verletzungs- und Tötungsverbot aufgehoben. In Spanien, wo die «Corrida de Toros» als Kulturgut gilt, lassen beim Stierkampf jedes Jahr etwa 30.000 Stiere ihr Leben.

Tierquälerei
Tierquälerisch ist nicht nur das Töten des Stieres am Schluss des Kampfes mit Degenstössen ins Herz - oft ersticken die Tiere am eigenen Blut und der Tod tritt erst nach bis zu zwanzig Minuten ein - tierquälerisch sind auch die Misshandlungen vor dem Kampf: Um die Tiere zu reizen werden ihnen die Hornspitzen abgeschliffen, Vaseline in die Augen gerieben, Watte in die Nase gestopft oder die Geschlechtsteile malträtiert. Während dem Kampf werden dem Stier Banderillas - kurze, mit Widerhaken versetzte Speere - in den Nacken und Rücken getrieben. Das gequälte Tier wird damit noch weiter geschwächt, es verliert seine Bewegungsfähigkeit, kann so dem finalen Degenstoss des Matadors nicht entkommen.

Tierschutzforderungen
Der Schweizer Tierschutz STS ruft die Schweizer Reiseunternehmungen zum Boykott von Stierkämpfen auf. Der STS fordert, keine Aktivitäten anzubieten, die im Zusammenhang mit Stierkämpfen stehen (inkl. Organisation und Verkauf von Tickets). Dies gilt für alle Regionen Spaniens, wo Stiere ritualisiert getötet werden. Zudem erwartet der STS von den Reiseanbietern, sich klar von den blutigen Spektakeln zu distanzieren, in ihren Reisedokumentationen darauf hinzuweisen und Kunden darauf aufmerksam zu machen, nicht an Corridas teilzunehmen und keine damit in Zusammenhang stehenden Souvenirs zu kaufen.

Tierschutz hört nicht an der Grenze bzw. nicht in den Ferien auf. Der Schweizer Tierschutz STS betrachtet es als tierverachtend und unwürdig für die Schweiz und ebenso Image schädigend für die Reisebranche, wenn die einzelnen Akteure nicht aktiv und wirksam gegen die Vermarktung des Stierkampfes vorgehen.