Viehausstellungen: Nichts Neues in Bulle

Seit Jahren das gleiche tierschutzwidrige Bild an Viehausstellungen, zuletzt an der Expo Bulle anfangs März 2019: übervolle, schmerzhafte, hochempfindliche und extrem manipulierte Euter mit tropfdicht verklebten Zitzen. Der Schweizer Tierschutz STS veröffentlicht einen umfassenden Report über seine Beobachtungen am nationalen Holstein- und Red Holsteinwettbewerb.
Die Veranstalter der Expo Bulle, Holstein Switzerland und swissherdbook, schreiben (Zitat Pressedossier): «Alle Augen werden wiederum auf den nationalen Holstein- und Red Holsteinwettbewerb gerichtet sein. Mit einer Priorität: dem Tierwohl.» Fachleute des Schweizer Tierschutz STS hatten Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild zu machen - und wurden mehrheitlich enttäuscht. Das Leid der vorgeführten und prämierten Kühe scheint im Hinblick auf die öffentliche Auslobung der «erfolgreichen» Züchter und Aussteller unverändert unbedeutend.

Die Kuh im «Idealzustand»
Wieder wurden an der Expo Bulle 2019 Kuhzitzen mit Collodium tropfdicht verklebt. Ebenso wenig haben sich die Praktiken beim Fitting (Zurechtmachen) geändert. Während die Tiere für das Styling im Fixierstand angebunden sind, werden durchblutungsfördende Salben und Emulsionen auf die glattrasierten Euter aufgetragen.
Die Anstrengungen zur Überprüfung möglicher Euterödeme (Ultraschalluntersuchungen) reichen aus Tierschutzsicht nicht aus. Wurde «nur» ein leichtes Ödem diagnostiziert, erhielten die Tiere in Bulle, trotz nachweislicher Belastung durch die überladenen Euter, keine sofortige Entlastung und wurden weiter in den Wettkampf gezogen. Erst bei weit fortgeschrittener Belastung wurden die vorgesehenen Massnahmen für die betroffenen Tiere (komplettes Ausmelken) wie auch die Sanktionierung der Aussteller (Wettbewerbsausschluss) umgesetzt. Ein solches Vorgehen macht den Tierschutz zur Farce und stellt den grenzenlosen Ehrgeiz der Züchter und Aussteller über das Tierwohl.

Zitzenverschliessverbot
Der Schweizer Tierschutz STS unterstützt die Forderung nach einem expliziten Zitzenverklebeverbot an Ausstellungen (Motion (18.3990) «Zitzenverschliessverbot an Viehschauen»). Zudem sind Zwischenmelkzeiten von maximal 12 Stunden festzulegen, innerhalb derer die Kühe zwingend zum Melken gebracht werden müssen.
Stress, Schmerz, Lärm, Medikamente, Klebstoffe, Sprays, Gels und Lacke gehören definitiv nicht ins natürliche Umfeld von Milchkühen - auch nicht ausnahmsweise an Ausstellungen.