Tierausstellungen 2017 und Schweizerische Kleintierausstellung 2018

Tiere anschauen - Tiere an Schauen

Zur Schau gestellte Tiere locken regelmässig tausende Menschen in Messehallen und Säle im ganzen Land. Zum vierten Mal veröffentlicht der Schweizer Tierschutz STS einen umfassenden Report über seine Beobachtungen an Tierausstellungen. Neben eigentlichen «Tierhaltungs-Highlights» gibt es in Bezug auf eine tierfreundliche Haltung und den Umgang mit den Tieren weiterhin Anlass zur Kritik.
Im Laufe des Jahres 2017 besuchte der Schweizer Tierschutz STS fünfzehn Tierausstellungen, darunter fünf grosse Publikumsmessen (LUGA, BEA, HIGA, Comptoir Suisse und OLMA), drei Viehausstellungen, jeweils zwei Hunde- und Katzenausstellungen sowie eine Sing- und Ziervogelausstellung, eine Reptilienbörse und eine Kaninchenausstellung.

Das Kleintierfest
Das Tierausstellungsjahr 2018 begann mit der Schweizerischen Kleintierausstellung. Über 10'000 Kleintiere - Kaninchen, Hühner, Tauben, Vögel, Zwergziegen und Meerschweinchen - waren anfangs Januar in Freiburg ausgestellt. Der Veranstalter spricht von einem «Kleintierfest der Superlative». Präsentiert wurden die Tiere grösstenteils in Einzelhaltung in kleinen, kargen Ausstellungskäfigen, ohne Sichtschutz, Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten. Besucher konnten vielfach von allen Seiten, barrierefrei an die teils scheuen, schreckhaften «Ausstellungsobjekte» herantreten. Manche Tiere versuchten sich zu verstecken oder rannten nervös an den Käfigseiten hin und her oder benagten exzessiv die Gitterstäbe.

Wer schön sein will, muss leiden
Von der Ausstellungssituation überforderte Kleintiere trafen STS-Fachleute auch an anderen Ausstellungen an, so Zier- und Singvögel an der «Exposition nationale Paires» oder Kaninchen an der kantonalen Rammlerschau beider Basel. Erheblicher Verbesserungsbedarf besteht aus Tierschutzsicht an Reptilienbörsen. Hier fehlt es u.a. an geeigneten Behältnissen, artgerechten Strukturen, an Sichtschutz und einem auf die Tierart abgestimmten Raumklima.

Neben fehlenden Rückzugs-, Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten ist ein rüder Umgang mit den Tieren - Zerren und Würgen an Leinen und Halsbändern - ebenso wie exzessives Zurechtmachen - Haare bürsten, toupieren, aufwickeln und föhnen - vor allem an Hunde- und Katzenausstellungen weiterhin an der Tagesordnung. Dazu kommt das Ausstellen und Prämieren von Extremzuchten, von ausgeprägt kurzköpfigen oder faltigen Hunden bis hin zu nackten Katzen.

Frei fliegende Vögel
Zu den Highlights 2017 zählten gut strukturierte und tiergerecht ausgestattete Gruppen- und Laufstallhaltungen von Schweinen, Milch- und Mutterkühen, Schafen und Ziegen, wie sie an verschiedenen Publikumsmessen zu sehen waren. An der BEA schwirrten frei fliegende Vögel umher und es konnten Kaninchen und Meerschweinchen in vorbildlichen Gruppenhaltungen - ohne Streichelmöglichkeiten - bestaunt werden. Im Gegensatz dazu entsprechen viele Hände, die gestresste Tiere anfassen, kleine Gehege ohne Rückzugsmöglichkeiten und eine lärmige Menschenmenge, die an Scheiben und Gehege klopft, nicht der Vorbildfunktion, die der Schweizer Tierschutz STS von Veranstaltern und Ausstellern fordert.