Reptilien leiden still

Eine Recherche des Schweizer Tierschutz STS präsentiert erstmals Daten zur Schweizer Reptilienhaltung, gibt Auskunft zum Artenspektrum der als Heimtiere gehaltenen Reptilien, zu Handel, Haltung und gesetzlichen Grundlagen. Wegen vielmals mangelnder Information der Tierhalter und des Fehlens präziser Haltungsvorschriften und Kontrollen sind Tierschutzprobleme verbreitet. Reptilien leiden still und sie sterben oft unbemerkt über lange Zeit.
Ob Schlangen, Schildkröten oder Echsen - viele Menschen sind fasziniert von den fremdartigen Tieren, die so wirken, als kämen sie aus einer anderen Welt. Die Haltung von Reptilien als Heimtiere erfreut sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit. Eine Registrierungspflicht besteht nicht und so kann der Tierbestand nur geschätzt werden. Die Zahl von rund 300'000 Tieren (gemäss Verband für Heimtiernahrung; Heimtier-Statistik 2016) erscheint dabei plausibel. Das Artenspektrum ist gross, allerdings sind es einige wenige Arten die besonders häufig gehandelt und gehalten werden. Bei Echsen sind dies Bartagamen und Leopardgeckos, bei Schlangen Königspythons und Kornnattern und bei Schildkröten Europäische Landschildkröten.

Exoten im Wohnzimmer
Mit Ausnahme einiger Schildkrötenarten werden Reptilien meist in der Wohnung gehalten. Daher - und auch, weil sie sich die Tiere zumeist lautlos verhalten - werden diese Tierhaltungen vom Umfeld kaum wahrgenommen und folglich sind amtliche Kontrollen selten. Das ist fatal, denn die Haltung von Reptilien ist komplex und Haltungsfehler sind gemäss der STS-Recherche häufig. Bei den Haltungsfehlern handelt es sich meist um ungenügende Beleuchtung oder falsche Klimabedingungen, aber auch zu kleine Terrarien oder falsche Terrarieneinrichtung kommen öfters vor. Die Haltungsbedingungen sind für die Gesundheit der Tiere hochrelevant. So führt z.Bsp. ein Mangel an UV-B-Strahlung bei Echsen und Landschildkröten zu Skelettproblemen. Auch bei falschen Umgebungstemperaturen können die Tiere erkranken, da die Stoffwechselaktivität von Reptilien von der Umgebungstemperatur abhängig ist.

Fach- und Sachkunde verbessern
Haltungsfehler und -defizite sind oftmals bedingt durch mangelnde Kenntnisse der Tierhalter, die es versäumen sich frühzeitig mit den Bedürfnissen der Tiere vertraut zu machen. In vielen Fällen mangelt es an Information sowohl zwischen Käufer und Verkäufer als auch im Internet, oder es kommt zu Spontankäufen online oder an Börsen. Dass für viele Reptilienarten keine präzisen, rechtlich verbindlichen Haltungsvorschriften definiert sind, macht die Sache nicht einfacher.

Vorschnelle Tierkäufe wie auch die hohe Lebenserwartung vieler Reptilienarten - Leopardgeckos beispielsweise können über 20 Jahre alt werden, bei Königspythons liegt das Höchstalter gar bei 48 Jahren - führen dazu, dass die Tiere teilweise mehrmals in ihrem Leben den Besitzer wechseln. Die Vermittlung von Reptilien gestaltet sich jedoch meist schwierig. Auf Reptilien spezialisierte Tierheime und Auffangstationen sind nur wenige vorhanden.

Um die Tierschutzprobleme in der Reptilienhaltung wirkungsvoll angehen zu können, ist es dringend notwendig Wissen und Können der Reptilienhalter anzuheben, den Tierhandel besser zu überwachen und umfangreichere gesetzliche Grundlagen und einen konsequenten Vollzug zu schaffen. Zoofachgeschäfte wie auch Reptilienbörsen sollten zudem mit guten Haltungsbeispielen und ausführlicher Information der Kunden vorangehen.