Schweine haben es nicht leicht

Ungenügende Tierwohl-Förderung, wenig Ertrag für die Tierhalter und das Kaufverhalten schlecht informierter Konsumenten führen in der Schweinehaltung zu einer bedenklichen Tendenz: Vom tierfreundlichen Labelbetrieb zurück in den konventionellen Maststall. Der Schweizer Tierschutz STS hat ein Massnahmenpaket erarbeitet um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Schweine sind neugierig, umtriebig und intelligent. Auf vielen Bauernbetrieben leben sie unter Bedingungen, die von einer tierfreundlichen Nutztierhaltung weit entfernt sind. Gleichzeitig werden die gesetzlichen Anforderungen an die Schweinehaltung von weiten Teilen der Bevölkerung erheblich überschätzt. In der irrigen Annahme, alle Sauen lebten glücklich in Ställen mit viel Einstreu und Auslauf, wird ohne schlechtes Gewissen günstiges Fleisch von konventionell wirtschaftenden Betrieben gekauft.

Billigste Haltungsbedingungen
Immer weniger Schweine haben Auslauf. Auf den Landwirtschaftsbetrieben ist der Anteil von 58% im Jahr 2010 auf heute 50% gesunken - dies als direkte Folge der ungenügenden Tierwohl-Förderung des Bundes. Weil der bäuerliche Mehraufwand für eine tierfreundliche Auslaufhaltung nicht korrekt entschädigt wird, wird bei Neu- und Umbauten in konventionelle Ställe investiert.
Erst recht nur träumen von frischer Luft, einem Bett aus Stroh und Auslauf kann die überwiegende Mehrheit jener Sauen, die von bodenunabhängigen, gewerblichen Käsereibetrieben gemästet werden. Hier werden zur Verwertung anfallender Nebenprodukte schätzungsweise 500'000 Schweine gehalten. Die meisten dieser Tiere kennen nur das Leben auf einem harten, perforierten Betonboden, direkt über ihren Exkrementen.

Alarmierende Entwicklung
Während die Fleischpreise im Laden steigen, sinkt der Anteil des Bauern am Konsumentenfranken. Um trotzdem Geld mit der Schweinehaltung zu verdienen, versuchen Landwirte die Kosten zu senken. Sie vergrössern die Betriebe und züchten Tiere, die wesentlich mehr Ferkel gebären, rascher wachsen, mehr Muskelfleisch ansetzen und dabei erst noch weniger Futter verbrauchen. Solche Lösungsansätze zur Kostensenkung gehen in der Regel zulasten der Tiere.
Aus Sicht des Schweizer Tierschutz STS gilt es, den Fehlentwicklungen in der inländischen Schweinefleischproduktion vehement entgegenzutreten. Im Zentrum steht dabei die Forderung, im Gegenzug für eine artgemässe Tierhaltung, den Bauern mehr vom Konsumentenfranken zuzugestehen. Sonst ist auch hierzulande der Weg hin zu Massentierhaltung nach ausländischem Vorbild vorgespurt.