Geschäftemacherei auf Kosten der Tiere

Tausende Tiere werden auf Schweizer Online-Inserateplattformen zum Kauf angeboten. Zum zweiten Mal hat der Schweizer Tierschutz STS die Angebote im Rahmen einer umfangreichen Recherche unter die Lupe genommen und stellt fest: Wer seriöse Verkaufsangebote sucht, der sucht bei Gratisanzeigen im Internet vielfach vergebens.

Der Schweizer Tierschutz STS führte erstmal 2012 eine Recherche zum Inseratehandel mit Tieren im Internet durch und untersuchte auf 19 Inserateplattformen (.ch-Domains) mehrere tausend Verkaufsangebote aus den Bereichen Hunde, Katzen, Wildtiere und Heimtierzubehör hinsichtlich ihrer Qualität und Seriosität. In der zweiten Hälfte des Jahres 2013 hat der STS seine Recherche wiederholt und hat wiederum viele, teilweise sogar überwiegend, unseriöse oder zumindest fraglich-seriöse Angebote und nur wenige Tierschutz-Hinweise für potentielle Käufer gefunden - dies trotz der versprochenen Anstrengungen einiger Plattformbetreiber für einen seriöseren und tierfreundlicheren Inseratemarkt.

Insbesondere im Bereich der Hundeinserate geht der Handel unverändert weiter. Interessenten werden geködert mit Bildern herziger Welpen oder trauriger Tierheimhunde, die dringend der Rettung bedürfen. Rund 80% der in dieser Rubrik überprüften Verkaufsinserate sind ungenügend bezüglich Seriosität und Transparenz.

Ein Kater aus Vanuatu
Nach wie vor wird von Betreiberseite viel zu wenig unternommen gegen dubiose, undurchsichtige oder eindeutig unseriöse Tierinserate. Es genügt die Angabe einer funktionierenden EMail-Adresse, dann kann schnell, unkompliziert und unkontrolliert inseriert werden. Eine Datenverifizierung findet nur marginal statt. Selbst bei anibis.ch, das Benutzerangaben per EMail und SMS verifiziert, wird ein STS-Testinserat, in dem ein ausdrücklich als inexistent bezeichneter Savannah-Kater aus dem südpazifischen Inselstaat Vanuatu zum Kauf angeboten wird, problemlos veröffentlicht. Aehnliches gelingt ohne weiteres mit als nicht-existierend deklarierten Fischen auf epets.ch und kleinanzeigen.ch. Und petitannonces.ch akzeptiert in der Rubrik "Vermisst" die Suchmeldung nach einem entflogenen Dodo, einer seit dem 17.Jahrhundert ausgestorbenen Vogelart. Solch lasche, bzw. fehlende Ueberprüfung durch die Plattformbetreiber ist geradezu eine Einladung zur Geschäftemacherei mit der Gutgläubigkeit von Interessenten.

Mehr Tierschutz, mehr Konsumentenschutz
Wo der Schutz der Tiere keinen Vorrang hat vor dem Handel mit der "Lebendware Tier", wo weiterhin Hinweise auf Tierschutz-Informationsangebote fehlen, wo jedes noch so dubiose Verkaufsangebot ungeprüft veröffentlicht wird, da fehlt es ganz offensichtlich den Betreibern von Online-Inserateplattformen an Einsicht und an Eigenverantwortung. Aus Sicht des Schweizer Tierschutz STS besteht im Sinne eines verbesserten Tier- und Konsumentenschutzes dringender Handlungs- und Regelungsbedarf auf politischer Ebene. Der Verband prüft daher, auf gesetzgeberischem Weg gegen unseriösen Tierhandel im Internet und gegen Firmen, die dazu Hand bieten und davon profitieren, vorzugehen.